Archive – August, 2009

Authentizität in Prag

Prag von hinten

Man wird das Gefühl nicht los, dass sich Prag komplett dem Tourismus hingegeben und unterworfen hat und das stößt etwas unangenehm auf. Man ist ja in eine Hauptstadt eines fremden Landes, einer fremden Nation und somit in eine fremde Kultur gefahren, von der man was erfahren oder zumindest mal gesehen haben möchte und zwar unverfälscht. Aber in Prag kann man die Altstadt und alles in näherer Umgebung nur als „Disneyland“ bezeichnen. Es schieben sich Massen an Touristen im Schneckentempo über die Karlsbrücke. Davor und dahinter säumen Unmengen der immer gleichen Andenkenshops die Strassen und man glaubt gar nicht wie viele Überwachungskameras nötig sind, um selbst kleine Nebengassen im Blick zu behalten. Nix mit Authentizität, so gar nicht. Es haben nur noch Schiessbuden und Zuckerwattestände zum perfekten Rummel gefehlt.

Auch ein anderes Thema kam direkt am zweiten Tag auf die Agenda: Korruption! Tschechien ist laut Transparency International gerade mal Mittelklasse was dieses heikle Thema angeht. Als Tourist bekommt man davon sicherlich nicht viel mit, wenn man nicht grade aufgefordert wird das Hotelzimmer zu wechseln weil jemand anders rein will oder wenn einem beim Mittagessen von Fremden am Tisch erzählt bekommt mit was für Hürden man als Ausländer zu kämpfen hat wenn man ein Gründstück verwalten möchte. Ok, es ist nichts bewiesen aber man geht auf einmal mit einem ganz anderen Blick durch die Strassen. Korruption ist unfair und schwer zu greifen aber auf einmal war sie auf eine unheimliche Art gegenwärtig.

Was kann man in Prag nun sehen? Vorzeige-Enfant terrible David Cerný hat Spuren in der Stadt hinterlassen die es zu entdecken gilt. Am auffälligsten sind seine krabbelnden Babies am hübsch spacigen Fernsehturm und auch seine „Pissing Men“, die gemütlich SMS-Textnachrichten auf eine Karte von Tschechien pinkeln sind einen Blick wert. Und nicht zuletzt hängt das EU-Aufrege-Kunstwerk Entropa zurzeit im DOX Zentrum für Gegenwartskunst, ein Ort der im Vergleich zur Karlsbrücke angenehm unterbesucht ist.

Die Straßenbahnlinie 22 verrät etwas mehr von der Stadt als das touristische Zentrum. Zwar auch nix um in Poesie zu schwelgen, aber auf der Suche nach der sozialistischen Vergangenheit und den in die Jahre gekommenen Vorortdatschas mit dem Lada im Hof wird man so am ehesten fündig. Auch sieht man so die Millionen von kleinen Geschäften die jede Strasse säumen und die was Asiatisches haben und die Leute selbst die mit Kleidung und Ausdruck den Westen verinnerlicht haben. Mit ihren Autos sowieso. Wenn jemand osteuropäisch aussieht, dann sind’s russische Touristen.

Eine Offenbarung war der Cross Club unweit des DOX, ein mit viel Liebe, noch mehr Zeit und Hingabe gestalteter industrieller Cyberpunktempel. Von alten Bohrköpfen über metallene Nähmaschinen bis hin zu Motorblöcken wurde hier alles zu Licht-, Sitz- und Raumelementen verbaut was man auf einem gut sortierten Schrottplatz finden kann. Dazu glasklarer Sound, ein Kino, viele Bars und noch mehr Areas mit Garten auf mehreren Etagen und entspanntem Publikum. Ein Club wie aus dem Bilderbuch.
Wohingegen sich der Parukarka Bunker Club als Flop herausgestellt hat. Nicht alles was hinter einer dicken Stahltür und mehrere Stockwerke tief in der Erde steckt hat auch direkt Flair. Aber wer ein bunt gepinseltes Jugendzentrum mit billigem Bier mag ist hier sicher richtig. Aber billiges Bier kann man auch in einer der vielen Prekariatskneipen haben. Das bringt zudem die lang vermisste Authentizität mit und gerne auch einen Altherrenmonolog unter starkem Alkoholeinfluss während der Typ hinter einem es sich schon auf der Eckbank für die Nacht gemütlich macht.

Prag hinterlässt einen gemischten Geschmack. Sicherlich sind zweieinhalb Tage zu wenig um in eine Kultur einzutauchen. Auf der anderen Seite gibt es Orte die weniger Zeit brauchen um zu begeistern. Im Zweifelsfall noch mal besuchen.

Hinterlasse einen Kommentar 15. August 2009

Kennen lernen

Natalie Keller - Portrait

Die Weinerei portraitiert sich in der aktuellen Ausstellung selber bzw. Mitglieder des Vereins die sich zu dieser Aktion bereit erklärt haben, acht an der Zahl. Die Namen kamen in einen Topf, jeder durfte mal ziehen und dann der Kreativität freien lauf lassen um den Zufallspartner in irgendeiner Form zu portraitieren. Rausgekommen sind Fotos, Bastelarbeiten, Malerei und Musik.
Nicht dass sich der Sugar Ray drum gerissen hätte, aber er musste nun kurzfristig doch ran und als Vertretung einspringen und innerhalb von zwei Tagen etwas anfertigen.
Rausgekommen ist eine Fotostory über ein noch recht junges Mitglied und die abermalige Erkenntnis, dass ein Nachmittag auf der Couch bei ihr die unterschiedlichsten Wendungen nehmen kann.

Vernissage der Ausstellung “8 – Die Weinerei portraitiert sich” ist heute Abend. Die Werke sind den ganzen August lang in der Weinerei zu sehen.

Hinterlasse einen Kommentar 6. August 2009


Shots

Oberlandesgericht Grünanlage Natalie Keller - Portrait Nürnberg Muggenhof - S-Bahn 1 Schallzentrale Oktober 2005 NBG Central Nightlife 06

Kategorien

Flattr


Ich benutze Flattr um Seiten im Netz bei extremer Begeisterung etwas Geld zu hinterlassen. Du kannst mir auch etwas monetäre Anerkennung schenken. Dieser Flattr-Knopf zählt für das Gesamtwerkt "Sugar Ray Banister". Ich verzichte darauf, alle Posts (auch uralte) separat mit dem Knopf auszustatten.

Twitterambivalenz

TwitPics

Letzte Bemerkungen

Service

SRB Newsletter abonnieren! Eine E-Mail mit dem jeweils aktuellen Beitrag wird am Tag der Veröffentlichung automatisch zum Abendessen zugestellt. (spamfrei!)

Schlagwörter

abriss Aktion alternativ altstadt ausstellung bausünde beobachtung berlin bier charme einschätzung elektronisch entspannung erfahrung event fabrik flyer foto franken fürth graffiti humor internet interview kritik kultur kunst leben lesung linktipp linz milchhof Musik münchen nürnberg party reisebericht retro stadt sticker streetart urban exploration verfall weinerei wohnungen