Muggenhof Schulgebäude
Monika aus North Carolina hat früher in Nürnberg gewohnt und ist auch dort zur Schule gegangen, genauer gesagt in eine Schule an der Stadtgrenze Nürnberg/Fürth. Das ist alles in den Kommentaren zu diesem Beitrag nachzulesen. Ich bin nun der Aufforderung gefolgt und habe mich an diesem sonnigen und eisig kalten Wintertag wieder auf nach Muggenhof gemacht. Es sieht dort zwar immer noch so aus wie in einer Stadt die aufgrund eines Reaktorunglücks geräumt werden musste, aber es verbreitet sich auch mittlerweile das Gefühl, als würden einige Stadtteilernäuerungspläne greifen. Das alte AEG-Gelände wird saniert (selbe Investoren wie die der alten Spinnerei in Leipzig, for those who know) und ein ewig leer stehendes altes Möbelhaus wurde von einem Ikeaverschnitt besetzt. Der Slogan der dort in dieser Ecke der Stadt groß nach Aufmerksamkeit ruft ist durchaus wörtlich zu nehmen: “Sieht doch gleich besser aus”. Stimmt. Besser als Leerstand ist das allemal, nur möchte man direkt dazuschreiben: “…nur stinkt es nach wie vor.” Möchte wissen wer auf die selten dämliche Idee gekommen ist und Faultürme direkt in ein Wohngebiet mit Schule gestellt hat. Der halbe Stadtteil stinkt einfach. Um die alte Schule geht es hier nun auch im speziellen. Ich hoffe ich habe das richtige Gebäude erwischt. Die Häuser werden noch genutzt auch wenn sie nicht sonderlich lebendig aussehen.
Kantine Franken
Der Sugar Ray pendelt ja zwischen den Welten. Er ist in der Kantine in München genau so zu Hause wie in der Kantine in Nürnberg. Historisch und durch den Einstellungsort bedingt sind die Stunden die bisher in der Franken Kantine zugebracht wurden natürlich viel zahlreicher als die in München auch wenn das Essen in der dortigen Kantine eine ganze Liga besser ist als der fleischlastige Pampf den es hier gibt, aber das ist eine andere Geschichte.
Auffällig ist, dass es in München öfter mal vorkommt, das Menschen mit ihren Tabletts zusammenstoßen und eine Sauerei machen. Natürlich ist das kein großer Aufhänger und bei dem Gedränge und der knappen Zeit zur Mittagespause mehr als verständlich. Dagegen ist es mir hier in Nürnberg noch nie aufgefallen, dass irgendwer sein Tablett runtergeschissen hat oder mit wem zusammengestoßen ist. Eine Erklärung musste her und das Thema wurde in einer Pause dann zur Sprache gebracht.
Vorschläge wie „in der großen Stadt ist alles viel stressiger und hektischer als hier am Dorf“ oder „das ist die fränkische Gemütlichkeit“ wollten nicht so recht greifen bis dann die (urfränkische) Kollegin mit der einleuchtenden Erklärung kam: „In Franken hat man gelernt, sich aus dem Weg zu gehen!“
Alkoholexzess mit Anspruch
Als aktiver Teil der Weinerei halte ich mich hier etwas zurück mit Hymnen über diesen einzigartigen Ort. Eigenlob stinkt ja bekanntlich.
Nun war es aber so, dass am gestrigen Sonntagabend der Begriff Lesung quasi neu definiert wurde. Es wurde, nicht wie sonst in auf den Autorenbühnen dieser Welt, monoton gelesen bis auch die letzen Augenlieder zu sacken beginnen, nein. Es der Abend war aktiv, ja fast interaktiv. Das absurd groteske Buch „Die Reise nach Petuschki“ war Grundlage des Abends bzw. der Vortrag einzelner Kapitel daraus und zwar jeweils in der Originalsprache Russisch und in der deutschen Übersetzung. Selbst wenn man der Russischen Sprache nicht mächtig war, könnte man dem tollen Klang der Stimme von Antonia Levkina lauschen. Wer die Gags dann auch verstehen wollte (es musste ja welche gegeben haben, sonst hätten die russischsprachigen nicht eben noch gelacht) wartete gespannt auf die deutsche Übersetzung. Und die lohnte sich auch, so charmant und gefühlvoll vorgetragen, authentisch mit Wein und Wodka* in der Hand, von Natalie Keller.

In dem Buch geht es ja über nichts anderes als den andauernden Suff auf einer Zugfahrt und die ab- und ausschweifenden Gedankengänge dazu und die Poesie dabei. Das aktive Element des Abends waren die hörspielartigen Zuggeräusche, die eingespielt wurden, die Bilder und Videos von Fanseiten wie petuschki.net oder die Grafiken und Diagramme (zur Erläuterung Verschiedener Sufftypen), die dem Buch entnommen wurden und an die Wand projiziert wurden. Wodka wurde den Gästen zum Nachfühlen der Geschichte gereicht und natürlich war der ganze Raum, wie in der Weinerei üblich, eins, ohne Burggraben zwischen Publikum und Vortragenden.
Ganz toll gemacht Mädels! Ich bin stolz und danke auch an den Sprachkrach der auch tatkräftig nicht nur mit Wodka zur Seite stand.
*es war nur Wasser in der Flasche auf dem Tisch der Vortragenden. Nur zur Info für die, die sich immer noch wundern was die beiden so vertragen können.
Deutschland ist hässlich
Dabei sieht Thomas Ruff die Gestalt der Fassaden selbst als aussagekräftige Zeugnisse ihrer Zeit: “Solche Gebäude repräsentieren mehr oder weniger Ideologie und Geschäft in der Bundesrepublik Deutschland in den letzten dreißig Jahren. Es sind ja nicht nur Fassaden, sondern die Gebäude stehen ja auch für etwas ein: etwa für den Geschmack des Erbauers oder den Ungeschmack des Erbauers oder den Geschmack des Architekten oder den Ungeschmack des Architekten oder für mangelndes Geld im Falle der Sozialbauten.”
Photographie parallel zur Architektur. Interieurs und Häuser im Werk von Thomas Ruff.
Ich gebe, damit Du gibst.

do ut des ist eine Rechtsformel für gegenseitige Verträge sowie ein Grundsatz sozialen Verhaltens.

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