Kapitalismus abschaffen in Nürnberg
Gostenhof ist der Stadtteil in Nürnberg, der eigentlich von allen am wertigsten aussehen würde, wenn er nicht so abgewrackt wäre. Fast alle der hier zu findenden Jugendstilgebäude könnten wirklich besser in Schuss sein. Eigentlich schade. Nürnberg hat eh viel zu wenig Jugendstilgemäuer im Stadtbild. Die paar die es gibt, verfallen in Gostenhof. Allen voran das Volksbad (werde ich mal separat behandeln). Aber wenigstens schaut man nicht die ganze Zeit auf Nachkriegsplattenbauten.
Das Ganze hat seinen Charme. Viele Ausländer (der Spitzname Gostanbul kommt nicht von ungefähr), viele Studenten und auch viel “abgehängtes Prekariat” geben den engen Strassen den Nährboden für Alternativkultur und natürlich auch für Frust bzw. für den Willen zur Revolte. Die vielen Tags, Stencils und Sticker sprechen eine deutliche Sprache. Ist aber am Ende alles ganz harmlos und gesittet. Man braucht auch nachts keinen Bogen um den Stadtteil mit den günstigen Cafes und billigen Bars zu machen. Will man manchmal auch gar nicht. Bevor man nach Berlin fährt um mal was anderes zu sehen, kann man es erst mal in Gostenhof versuchen.
Muggenhof – gelebte Trostlosigkeit
Muggenhof hält Fürth geografisch davon ab Nürnberg zu sein. Die Grenze zur Nachbarstadt ist fliessend. Der Stadtteil war bestimmt mal ein schöner und belebter Industriepark. Mittlerweile macht sich aber eine gewisse Trostlosigkeit breit. Auf dem Weg nach Fürth kann man sich schönere Wege vorstellen.
Fotos sind von heute Nachmittag.
Die Eisdiele
Die Eisdiele befindet sich hinter dem Plärrer fast gegenüber vom Planetarium. Eine urbane Ruine in zentraler Lage.
Gegenwartskulturgeste
Es ist mittlerweile schon auffällig und auch gut zu beobachten. Das typische Mädel von heute trägt Hüfthose. Dazu irgendwas bauchfreies oder zumindest etwas, was einen schönen hautfarbenen Streifen zwischen Hosenbund und Oberteil lässt (je nach Körperform quillt auch gerne mal was über den Hosenbund). Zu dieser Moderscheinung gesellt sich mittlerweile eine typische Geste, die man mit dem zurückstreifen von langen Haaren hinter die Ohren vergleichen kann: das Mädel von heute prüft in unregelmässigen Abständen im Steissbeinbereich den Sitz der Hose bzw. den Erscheinungsgrad der Unterwäsche. Bisher ist diese Geste in ihrer Unauffälligkeit einfach untergegangen, aber letztens sass ein Mädel hinten auf einem Motorrad an einer Ampel und ich wartete im Auto dahinter. Ich bekam den Prüfvorgang der Steissbeinregion in dem Moment in Zeitlupe und in Grossaufname vorgeführt und mir kam es in dem Moment sehr absurd vor.
Aber diese Geste wird irgendwann so völlig normal sein wie das zurückstreifen der Haare. Auch in Büchern über die Körpersprache wird sie mit aufgenommen werden. Man wird anhand des String-Tanga-zurecht-zupfens erkennen, ob das Mädel schüchtern ist und was man als Mann erwarten kann, wenn das Wäscheschild hinten rausschaut. Also alles kein Problem, alles ok. Es ist etwas ungewohnt vielleicht.
Ein Zustand namens Plärrer

Der Platz mit dem grauslich klingenden Namen ist mit einer der bekanntesten und zugleich schmucklosesten Orte Nürnbergs. Nicht nur, dass man am besten die Augen zu macht, wenn bei den komisch angelegten Fahrbahnen mal wieder einer unkoordiniert die Fahrtrichtung korrigiert, man mag eigentlich am Plärrer auch gar nicht aus dem Fenster schauen. Es sieht einfach so aus, als würde man sich seit Jahrzehnten weigern irgendetwas zu modernisieren oder angenehm zu gestalten. Wenn wenigstens ein bisschen der klotzige Charme der 60er versprüht werden könnte (der 60er und 70er Futurismus ist sehr chic, auch weil man sich nicht geschämt hat Farben zu benutzen), aber so rotzig, lieblos und uninteressant wie der Platz vor sich hin existiert war Attraktivität wohl nie im Konzept vorgesehen. Jeder Containerbahnhof ist schöner, weil die wenigstens bunt sind.

Elektronische Musikwelten 2.0
zum Ende von Subsource
“Internet-Labels bieten ihre Musik kostenlos zum Download an”, schreibt oder besser sendete das Radiofeuilleton des Deutschlandradios. Und weiter heißt es:
Die großen Plattenfirmen kämpfen verzweifelt gegen illegale Downloads von Musik aus dem Internet. Doch inzwischen gibt es viele kleine unabhängige Labels, die ihre Musik ins Netz stellen und nichts dagegen haben, dass man sie sich herunter lädt. Im Gegenteil: Musik, kostenlos, für alle, das ist Kern ihrer Philosophie. Auch die Künstler profitieren von dieser virtuellen musikalischen Visitenkarte
Den ganzen Artikel gibt es hier zu lesen oder noch besser, es gibt ihn auch zu hören:
Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.
Schön ist, dass es die Netzmusik mittlerweile auch in den Bereich der Feuilletonisten geschafft hat. Leider kommt dieser Schritt einige Jahre zu spät. Die im Artikel genannten alteingesessenen Labels haben ihre großen Tage spätestens so um 2003/2004 herum gehabt. Die ganze Szene ist aufgeweicht. Die vielen kleinen Pilze, die aus dem Boden geschossen wurden machten die Netlabelwelt unübersichtlich. Der musikalischen Einheitsbrei bzw. die Massenproduktion, wie sie durch die einfache Herstellung der Musik nur allzu leicht passieren konnte, verwässerte die Suppe zusätzlich. Wirkliche Alleinstellungsmerkmale blieben die Ausnahme und sie sind zugegebenermaßen im virtuellen Raum auch nur schwer zu realisieren. Spätestens wenn die Musik an Schnittstellen kommt (brennen auf CD, wegsharen via Tauschbörse) ist jegliche noch so kreative Eigenständigkeit verloren.
Das Konzept Netlabel hat sich jetzt durch web2.0 endgültig überholt. In Portalen wie Myspace kann durch Vernetzung, Tags und Ratings eine ganz andere Verbreitung von freier Musik stattfinden und sich der Künstler viel persönlicher präsentieren, als auf einer Seite, die (verglichen mit den rieseigen Portalen) irgendwo im Netz verschwindet. Eine Aufgabe die vor ein paar Jahren noch von den Netlabel übernommen wurde geht auf das social Network über. Es kann schon alleine durch die Verbreitung und die generelle Akzeptanz einen weitaus besseren Vertrieb gewährleisten, als es die Netaudioszene je konnte.
Für Subsource* habe ich am Anfang die Musiker in den Chats der frühen Tauschbörsen kennen gelernt. Es gab damals außer Filesharing einfach keine andere vernünftige Art, seine eigene Musik kostengünstig zu verbreiten. Gefunden wurde man als Musiker in den Tauschbörsen aber nur sehr schwer, da man noch keinen Namen hatte. Als Netlabel hat man einen Namen, der unbekannten Musikern ad hoc eine Identität gibt, die sie alleine im Netz nicht ohne weiteres hätten.
So ging es mit Subsource los. Auf diese Weise sind andere frühe Netlabel auch schnell relativ bekannt geworden. Die Musik war gut und sie passte in die Zeit und in die Gehörgänge der Community. Dazu kam die Attitüde einen neuen Weg gefunden zu haben, Musik zu verbreiten und zu hören. Es war kostenlos und es war neu. Wow, was für eine Zeit.
Das Projekt Subsource habe ich nun nach langem zögern endgültig beendet. Für die, die es interessiert, soll dieser Eintrag eine Begründung sein und auch eine Anregung zur Diskussion, falls der Wunsch danach besteht.
* Subsource wurde 1999 als persönliche Musikplattform gegründet und verwandelte sich schnell zur Heimat von jungen internationalen Musikern. Es war für mich als Betreiber zudem auch Spielplatz für Netzgestaltungsexperimente. Das Spiel wurde ernst, als ernsthaftes Pressefeedback in Form von Artikeln im Netz- und im Printbereich kam. Renommierte und bekannte Magazine, vom szenigen Musikmagazin bis zum “Spiegel”, hatten ein Auge auf die Seite geworfen. Ich bekam als Laptop-DJ durch Subsource ernsthafte Bookings. Nachdem der Anspruch an das Projekt immer weiter gewachsen war, die Zeit dagegen immer knapper wurde und sich zu dem die Welt weiter gedreht hat (siehe oben), ist es nun Zeit gewesen die Geschichte zu beenden. Es ist nicht leicht gewesen. Subsource hat mich lange begleitet, hat mir viele schöne Erfahrungen und tolle Kontakte gegeben und ist ein Teil von mir geworden, aber was vorbei ist, ist vorbei.
Danke vor allem an János Krueger. Er hat geholfen, die letzten Release noch auf den Weg zu bringen.
Bayerische Milchversorgung

Die Paladin Milchfabrik war der Sitz der “Bayerischen Milchversorgung”. Die Fabrik befindet sich in Nürnberg-Tullnau unweit des Wöhrder Sees und des Norikus. Sie wurde wohl Ende der zwanziger Jahre erbaut, steht unter Denkmalschutz und seit bestimmt über 10 Jahren leer.
Fotos vom 15. September 2002
Es gibt weitere Fotos der alten Fabrik im Netz, z.B. von Oliver Spuhl.
Ist denn Linz schön?
Das Nürnberg hässlich ist, habe ich ja mittlerweile empirisch bewiesen. Nürnberg ist aber nicht die einzige hässliche Stadt. In Linz möchte man manchmal auch einfach nur schreiend davon laufen. Der Unterschied zu Nürnberg ist, dass sich Linz seiner Hässlichkeit durchaus bewusst ist, bzw. selbstbewusst genug ist, mal die Leute nach ihrem empfinden zu befragen.
Scan einer Postkarte aus dem Rahmen der Mauserung zur Kulturhauptstadt 2009, als Inspiration für Nürnberger Stadtplaner.
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