Verlassenes Hotel auf Teneriffa

Ein verlassenes Hotel auf Teneriffa

Teneriffa im Herbst. Kaum Touristen und überhaupt kaum Menschen bevölkern um diese Zeit die Insel, jedenfalls nicht den Teil im Nordosten. Es ist eher die pure Natur, die um diese Zeit die Insel prägt und den Takt vorgibt.

Unsere Ferienwohnung lag etwas abseits am Rande der kleinen Ortschaft. Drum rum waren Berge, Landwirtschaft und der Ozean mit seiner Brandung. Etwas dorfeinwärts waren dann schon Anzeichen von Tourismusindustrie in Form von Hotels, die aber saisonbedingt eher ungenutzt und noch langweiliger wirkten als sonst. Ein Hotel war dann aber doch interessant. Es steht direkt an einer felsigen Abbruchkante zig Meter über dem Meer. Es musste schon vor Jahren verlassen worden sein. Offenbar droht es einzustürzen. Einige der Bungalows im Vorgarten hat sich die Flut schon genommen und es sieht nicht danach aus, als würde sich der Bau jemals wiederbeleben lassen. Zu dicht hat sich der Ozean schon an den Bettenturm herangegraben.

Was ist aber so spannend daran, verlassene Gebäude zu erkunden? Für mich persönlich macht dies einen ganz besonderen Reiz aus, der über das Erleben üblicher Besucherattraktionen hinausgeht. Die Atmosphäre dieser alten, verlassenen Gebäude ist ganz besonders. Die Vergangenheit, die Vergänglichkeit ist allgegenwärtig. Dabei kommen Fragen auf: Was ist hier passiert? Wieso steht das Objekt leer? Wie und bis wann wurde das Gebäude benutzt? Wird es immer noch für etwas benutzt und wenn ja, durch wen und warum?

Mit diesen Fragen im Kopf durchstöbern wir das Areal, suchen Indizien, gehen den Gedanken nach und versuchen die faszinierende Schönheit des Verfalls in Fotos festzuhalten. Die Fotos sind eine Mischung aus Dokumentation und ästhetischer Fotografie. Zum einen geht es darum, wie Orte wie dieses Hotel in Gänze aussehen, zum anderen sollen die Bilder auch die subjektive Wahrnehmung der Lost Places transportieren. In diesen ungestalteten und manchmal surrealen Szenerien entstehen oft Bilder, die anderswo nicht entstehen könnten.

In diesem Hotel lebte auf alle Fälle noch was. Nicht nur wurde es von diversen Sprühdosenmeistern als Leinwand genutzt, manche der Bungalows und etliche Räume im Hotel selbst waren offenbar Schlaflager. Und es wurde urban gegärtnert wie unter Selbstversorgern. Bei solchen Indizien hat man schon verstärkt das Gefühl, in einen fremden Lebensraum unerwünscht einzudringen. Auch konnten wir uns nicht sicher sein, hinter der nächsten Ecke oder in einem schummrigen Raum nicht doch einen Bewohner anzutreffen. An diesem Tage blieb aber alles ruhig. Und der Urlaub war um eine spannende Entdeckung reicher.

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Plague App – Interessantes virales Netzwerk

Nichts erscheint derzeit schwieriger als ein neues soziales Netzwerk zu etablieren. Wir haben alles, was man braucht und nichts braucht man weniger als ein weiteres Netzwerk um die selben Kontakte, die man schon auf den bestehenden Netzwerken hat, neu zu kontaktieren. Beispielsweise ist das so vielversprechend wie kritisch beäugte Ello ischon wieder in den ewigen sozialen Jagdgründen verschwunden. Obwohl wir uns offenbar alle nach einer Alternative zu Facebook und vielleicht nach dem guten alten Gefühl von Twitter (als es noch jung war) zurück sehnen, so findet sich doch keine echte Alternative.

Nun möchte ich sagen: bis jetzt!

Plague App
Der Screenshot zeigt die Verbreitung meines letzten Blogbeitrages über das Nürnberger Ticketsharing nach knapp drei Tagen in der Plague App.

Auch wenn ich kein Profi für Prognosen in die Zukunft bin, so glaube ich doch mit der Plague App den bisher spannendsten Newcomer in den Händen zu haben. Das Netzwerk macht einiges anders als alle anderen Netzwerke und vor allem eins richtig: es stellt den Content und seine Verbreitung in den Vordergrund. Von wem er kommt ist eher zweitrangig. Es gibt keine Alphanutzer, die mit der größten Reichweite oder dem größten Werbebudget. Bei Plague ist jeder Nutzer von Anfang an mit dem gesamten Netzwerk verbunden und hat die Möglichkeit eine Nachricht innerhalb von sieben Tagen (solange lebt eine Nachricht) theoretisch an alle Nutzer des Netzwerkes zu schicken. Und genau diese Sichtbarkeit innerhalb des gesamten Netzwerkes beziehungsweise die Viralität einer Nachricht ist quasi die einzige relevante Messgröße, die auch schön dargestellt wird.

In der Praxis kennt die App durch GPS den aktuellen Aufenthaltsort eines Nutzers und verteilt eine Nachricht an die paar Nutzer, die dem Sender geografisch am nächsten sind. Wird jene Nachricht bei einem Nutzer angezeigt, hat dieser durch eine simple Wischgeste, ähnlich wie bei Tinder, die Möglichkeit, die Nachricht entweder in seinem Umkreis zu verbreiten, oder es eben nicht zu tun. Hat man eine ausreichend virale Nachricht erstellt (egal ob Text, Bild, Video, Link oder eine Kombination) so schickt man sie auf die Reise und hofft auf eine möglichst große Infektionsrate. Da die ansonsten anonymen User der App immer ihren Aufenthaltsort verraten, kann man in einer Übersicht sehen, wo sich die eigenen Nachrichten, und auch all die anderen, so ausbreiten und wo sie am meisten geteilt werden. In dieser einfachen Verbreitungs-Mechanik liegt eine große Schönheit.

Dennoch, am Anfang sah es so aus, als bestünde das Netzwerk inhaltlich aus den ewig alten Witzbildern die schon seit Jahrzehnten durch das Netz kreisen. Leicht zu konsumieren, aber eigentlich langweilig. Nach einer Weile wurden die Beiträge bei mir aber ernsthafter und inhaltsschwerer. Natürlich mischt sich immer noch leicht konsumierbare Kost darunter. Alles was man innerhalb von Millisekunden begreifen und für gut befinden kann, wird tendenziell leichter geteilt, auch in der Plague App. Mittlerweile sieht es aber so aus, als hätte so Mancher begriffen, dass die Mechanik dieses Netzwerkes zu schade ist für LOL-Cats. Es werden beispielsweise viele politischen Statements und Ansichten aus unterschiedlichen Regionen geteilt und auch Religion und Fanatismus spielen derzeit eine starke Rolle, was auch der aktuellen Nachrichtenlage (Terror in Paris) geschuldet ist. Insgesamt fühlt sich das Netzwerk inhaltlich an wie eine Mischung aus den ungehobelten Inhalten düsterer Tumblr-Blogs gemischt mit den kleinen aber feinen Zirkeln eines frühen Twitters.

Und vielleicht lässt sich Plague auch am ehesten mit Twitter vergleichen. Der Retweet kommt der Mechanik von Plague schlicht am nächsten. Spannend dürfte sein, wie sich das Netzwerk entwickelt. Noch ist man etwas unter sich. Es gibt keine Werbung und naturgemäß auch niemanden, der haufenweise Follower aufbauen möchte. Das ist sympathisch. Wird das Netzwerk aber wachsen, werden früher oder später Marketingabteilungen drauf aufmerksam werden (ich selbst mache darüber ja auch Werbung für meine Inhalte) und spätestens wenn wir nur noch Konsumartikel “wegwischen” müssen, wirds langweilig. Ich hoffe, das kommt nicht so schnell.

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DIY Fahrkarten-Sharing in Nürnberger U-Bahn

Gelebte Share Economy mit dem Karmaticket zum ausdrucken. Alternativ kann man auch noch gültige Parktickets wieder in den Automaten legen.

Via Paul Blotzki.

UPDATE

Nachdem der Zettel und das Bild derzeit massiv die Runde machen und auch in den Mainstreammedien angekommen sind möchte ich was korrigieren. Der Begriff “Share Economy” wurde nach meiner Veröffentlichung auch bei nordbayern.de in diesem Zusammenhang benutzt. Mir entsprang der Begriff im Affekt und habe nicht genau nachgedacht. Genau genommen hat Ticketsharing im öffentlichen Nahverkehr nichts mit Share Economy zu tun. Ein Transportmittel gemeinsam von vielen genutzt ist bereits ein Share Economy Ansatz. Damit diese finanziert werden, werden Kosten auf alle Nutzer umgelegt. Wer sein Ticket an andere weitergibt sorgt nur dafür, dass die Kosten auf weniger Köpfe verteilt werden. Vielleicht sollte man das im Hinterkopf haben.

UPDATE 2

Was wurde eigentlich aus dem Karmaticket? Der Egersdörfer klärt in einem ein bisschen zu langatmigen Interview mit Paul Blotzki die ganze Geschichte auf. Wie es entstanden ist, wie es so massiv die Runde gemacht hat, und wie es dann auch schon wieder verschwunden ist.

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Körperwelten Impressionen

Körperwelten Impressionen

Die Körperwelten gastieren derzeit noch in Nürnberg. Ich kannte Teile der Ausstellung bereits von einem Besuch damals in München. Zur Nürnberger Ausstellung kam ich schon vor der Eröffnung. Ich wurde vom Veranstalter zur Pressekonferenz eingeladen und war auch bei der Presseaktion in der Altstadt mit dabei. Hier wurde eins der Plastinate aufgebaut und konnte von Passanten und der massiv anwesenden Presse dokumentiert werden. Ein Aufreger war das nicht, auch wenn sich das so mancher Medienmacher möglicherweise gerne gewünscht hätte.

Interessant ist die Ausstellung auf jeden Fall. Für meine Fotoauswahl habe ich mich für schwarzweiße Bilder mit starkem Kontrast entschieden. Eine eher seltene Variante. Neben den Körpern und ihren Posen ist ihre Farbe ja auch schon zur Marke geworden. Durch das Fehlen der Farbe reduzieren sich die Körper auf ihre pure Form.


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Mutti bei der Arbeit. Im Jahr 1964.

Mutti bei der Arbeit (1964)

Über Weihnachten wurde dann in all der Besinnlichkeit und Kontemplation mal tief in den Fotoalben der Familie gewühlt. Eine Tätigkeit, die man nicht aus ästhetischen Gründen toll findet, sondern eher aus sentimentalen. Die vielen Fotos sind meist eher mittelmäßige Schnappschüsse aus fast vergessenen Jahrzehnten. Doch dann war da dieses eine Foto aus dem Jahr 1964. Meine Mutter wurde offenbar von einem professionellen Fotografen bei ihrer Arbeit im Postscheckamt in Hannover fotografiert. Im Hintergrund sieht man den den alten Fernsehturm (aka Telemoritz) am Raschplatz.

Ich finds ja immer wieder erstaunlich, dass man auch schon vor einem halben Jahrhundert ohne den ganzen technischen Firlefanz sehr ordentlich und schön fotografieren konnte. Und Mutti (die Dame im Vordergrund) sieht gut aus! :)

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Sturmflut im Urlaubsparadies

Sturmflut im Urlaubsparadies

Die Rätselheftdichte im Ferienflieger war beängstigend hoch. Trotz der Anreise in der Nebensaison und Buchung der Unterkunft via Airbnb abseits jeder Hotelburg blieb das mulmige Pauschalurlaubsgefühl bis zuletzt. Aber es besserte sich. Der Norden der Insel ist einem starken Passatwind ausgesetzt der für Feuchtigkeit, üppige Vegetation und starken Wellengang sorgt. Er weht auch die meisten Touristen in den trockenen, sonnigen und südlichen Teil von Teneriffa, es sei denn, sie wollen surfen. Wir hatten nicht nur eine ganze Bucht fast für uns alleine, ohne den redseligen Mann an der Tankstelle hätte vermutlich auch kaum noch wer was von der Unwetterwarnung mitbekommen. Der Wind kam dann auch und mit ihm die Wellen. Eine wirklich ruppige Szenerie entstand, die gar nicht einem Palmenstrandimage entsprechen wollte. Es war besser. Die Gewalt der Wellen und der Brandung strömten eine unglaubliche Faszination aus. Stunden hätten vergehen können, ohne das es langweilig geworden wäre in das Getöse zu starren. Wer denkt, echte Entspannung findet sich auf einer Badeliege mit Cocktailbar in Laufweite, der irrt. Nichts erdet einen Menschen so gründlich und befreit ihn von Druck und Gram wie das Spiel mit den Naturgewalten.

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10 Tipps, damit 2014 ein tolles Jahr wird

2014 war und ist eins der besten Jahre überhaupt. Klar, die Welt steht grade am Abgrund und insgesamt herrscht der Wind der Angst in der Gesellschaft. Überfremdung, Überwachung und Überforderung sind allgegenwärtig. Optimismus ist schwer anzutreffen dieser Tage. Aber eigentlich macht das nichts. Mein 2014 war, wenn man es mal genau nimmt, wenig bis überhaupt nicht beeinflusst von diesen Dingen. Und dein 2014, liebe Leserin und lieber Leser, vermutlich auch nicht.

Falls doch, dann kannst du mit nur 10 Dingen auch dein 2014 großartig werden lassen. Aber du musst dich beeilen, es ist nicht mehr viel Zeit.

  1. Organisiere ein Barcamp. Vorzugsweise ein Themencamp weil normale Barcamps mittlerweile beliebig, austauschbar und langweilig geworden sind. Da es jetzt aber das OpenUp Camp rund die ganzen Open-Themen schon gibt, musst du dir ein eigenes ausdenken.
  2. Besuche französische Freundinnen in London während der Fußballweltmeisterschaft. Schaue mit ihnen ein Spiel der Engländer und trinke Bier mit ihnen. Mach eine Tour durch Shoreditch. Sei nett zu ihnen, und lade sie auf ein Wiedersehen nach Hause ein.
  3. Zieh um. Gründe eine WG oder ein Mehrgenerationsprojekt in einem Haus am Stadtrand. Das Leben ist zu kurz um es in einer Etagenwohnung in der Nähe von Szeneclubs und berlinifizierten Cafes zu verbringen.
  4. Verbringe viel Zeit in Hamburg. Vermeide die Reeperbahn, konzentriere dich auf die Menschen, ihren Schnack, ihre Mentalität und ihren Witz. Fang an dich einmal mehr über Bayern und seine Bewohner zu wundern.
  5. Schreibe ein Buch über Unternehmenskultur und die neue Arbeitswelt. Oder beschäftige dich wenigstens mit dem Thema. Es wird dich in Zukunft eh begleiten. Mach dich selbstständig.
  6. Arbeite wo du willst. Beispielsweise in Porto oder in Mallorca. Verbringe viel Zeit im Coworking Space.
  7. Zieh einen Kulturverein um und feiere eine große Eröffnungsparty. Ohne Polizei.
  8. Bringe die lokale Webszene zusammen. Präsentiere sie deiner ganzen Region und mache sie nebenbei in ganz Deutschland bekannt. Du kannst das Web Week nennen, der Name ist dir aber freigestellt.
  9. Mach vergleichsweise wenig Urlaub. Kümmern dich lieber um deine Projekte und Ideen. Mach sie sichtbar.
  10. Verbringe den Rest der Zeit die du hast, mit den Menschen, die du magst. Ziehe mit ihnen am besten zusammen (siehe Punkt 3).

Falls du jetzt feststellst, dass in 2014 nicht mehr genug Zeit ist, um einige der Punkte zu realisieren, dann macht das nichts. Du hast 2015 noch alle Zeit der Welt um dich um all das zu kümmern. Und überhaupt solltest du, und das ist der Punkt 11, nicht in die Vergangenheit gucken. Man ist nämlich alt, wenn man öfter an die Vergangenheit denkt, als an die Zukunft.

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Ballermann Konträrfaszination

Ballermann Konträrfaszination

Es existiert ein Mythos rund um den Ballermann, der gleichzeitig als Klischee und Stereotyp existiert. Wir assoziieren ein ganz bestimmtes Szenario, das sich dort in ungefähr dieser Form auch immer wieder ereignet. Zum typischen Ambiente gehört die mehr oder weniger laute Beschallung mit einer sehr hässlichen Mischung aus volkstümlichem Schlager, Eurodance und Kirmestechno gepaart mit Grundbedürfnissen wie Alkoholkonsum, Übelkeit, Sex und stinken. Vergleichbare Szenarien kennen wir sonst nur von Volksfesten wie dem Kölner Karneval, dem Münchner Oktoberfest oder ähnlichem.

Dennoch, der Ballermann ist leider weltberühmt und entfaltet auch über seine Zielgruppe hinaus eine gewisse Anziehungskraft. Einen Besuch könnte man mal einplanen, wenn man sich eh in der Nähe befindet. Es wäre jedoch drauf zu achten, unbedingt die Nebensaison zu erwischen. Abseits des Sommers zeigt sich der Ballermann, so wie auch ganz Mallorca, von einer sehr angenehmen und ungeschminkten Seite. Nur vereinzelnd lässt sich erkennen was los wäre, wenn was los wäre. Eigentlich ist der Ballermann einfach trist, leer und austauschbar.

 


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BP-Haus Hamburg City Nord

Ehemaliges BP-Haus in der City Nord

Der graue, mittlerweile mit Graffitis verzierte Betonklotz in der Hamburger City Nord steht schon etwas länger leer. Die Fenster sind zersplittert oder komplett entfernt. Der einstige Hauptsitz der BP-Verwaltung an der Ecke Überseering und Kapstadtring soll teilweise abgerissen und in ein Bürogebäude und Hotel umgewandelt werden. 1971 versuchten Kölner Architeken so gut es ging auf rechte Winkel durch sechseckige Formen zu ersetzen. Das Gebäude bildet die Form des Benzolrings. Das BP-Haus war eines der ersten echten Großraumbüros in Hamburg, die Anfang der 70er-Jahre aufkamen. Mittlerweile läuft der Teilabriss und Umbau der Immobilie. Die unverwechselbarer und unterkühlte Architektur der City Nord dürfte leider, beziehungsweise zum Glück, erhalten bleiben.


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Touristenziel Tschernobyl

Es gibt da einen sehr bekannten Ort der Zeitgeschichte, an dem ein großer Unfall passierte. Ein fast schon mystischer Ort der sich mit Legenden auflädt. Es verirren sich nur wenige Menschen dort hin, trotz der “noch heute messbaren Strahlung” (sic!). – Moment mal, “noch heute messbaren Strahlung”? So heist es bei Tschernobyl Tour, dem Reiseveranstalter für das besondere Erlebnis.

Nur zur Info: der havarierte Reaktorblock ist nach wie vor durch einen provisorischen, durchlässigen sogenannten „Sarkophag“ gedeckelt. Im Inneren ist weitgehend die Situation nach der Explosion in heißer Form konserviert. Es hat sich praktisch nichts seit 1986 geändert, außer, dass mittlerweile an einer neuen und größeren Schutzhülle bebaut wird. Ein großes Millionenprojekt. Die Kosten dafür tragen wir alle, denn auch Deutschland stellt Geld für die neue Schutzhülle zur Verfügung. Man sollte sich insgesamt nochmal in Erinnerung rufen, dass in Tschernobly eine unkontrollierte Kernschmelze stattgefunden hat. Das ist nichts wo man etwas Sand drüber buddelt und Spielen-Verboten-Schilder aufstellt und das ist auch nichts, was innerhalb von 30 Jahren irgendwie an Gefahr oder kritischem Potential verliert.

Ok, zugegeben, der Reaktor ist trotzdem ein reizvoller Ort. Und sicherlich einer, der auf der Liste der Lost-Places-addicted-people recht weit oben steht. Er symbolisiert die Postapokalypse in Reinform. Auch mich juckt es manchmal in den Fingern nicht einfach doch mal ein Ticket zu buchen und Krankheiten wie Krebs einfach mal zu ignorieren. Das Video zeigt sehr schön die Faszination, die von Tschernobyl ausgeht. Allerdings ist die echte Gefahr schlussendlich nicht klar kommuniziert. Manchmal heißt es, es leben seit dem Unfall immer noch Menschen dort. Auch hört man davon, dass der Geigerzähler nicht mehr so dolle ausschlägt, wie noch vor zwanzig Jahren. Bin da skeptisch. Zwar haben die damals freigesetzten Isopope unterschiedliche und teilweise auch sehr kurze Halbwertszeiten, dennoch hat da ne Kernschmelze statt gefunden. Und insgesamt spielen sich Halbwertszeit von spaltbarem Material in Zeiträumen ab, die wir Menschen nicht erfassen oder beherrschen können. (mehr …)

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Alle Jahre wieder: Ein neues Layout fürs Blog

Sugar Ray Banister Layout 2012
So sah dieses Blog die letzten zweieinhalb Jahre aus…

Eine eigene Webseite oder ein eigenes Blog zu haben ist ein mitunter zeitintensives Hobby. Man kann sich zwar diversen Diensten bedienen, die einem die administrative Arbeit abnehmen, aber wer alles selbst machen möchte, der werkelt schon mal einige Nächte an einem Umbau. Jetzt war es bei mir wieder soweit. Die letzte große Renovierung ist fast zweieinhalb Jahre her. Damals hoffte ich noch, dass das Update des Blogs 3-4 Jahre hält. Schon die Kommentare zu dem Beitrag zeigten, dass es damit wohl nichts werden würde. Responsive Design war bereits damals ein Thema, das ich leider etwas unterschätzte habe. Eine Unterstützung mobiler Geräte wurde auf dieser Seite etwas umständlich über eine schon damals bestehende separate mobile Version der Webseite drangebastelt. (mehr …)

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Rio Palast Nürnberg

Kino im Wandel – Rio-Palast Nürnberg

Kinos haben es auch nicht mehr so leicht in diesen Tagen. Vor allem die kleinen Kinos lassen gerne mal den letzten Vorhang fallen. Programmkinos können mit den Großen der Branche nicht mithalten, haben kein Geld, um in moderne Technik zu investieren oder können mit ihrem arthousigen Programm bei einem bewegungslos in Mainstream-Sülze eingelegten Publikum wenig reißen. In Nürnbergs gabs mal richtig viele kleine Kinos, einige davon sind großartige Brachen geworden wie beispielsweise das Atrium Kino in der Südstadt oder das Orpheum in Johannis.

Letzteres steht schon lange leer, aber irgendwer hält diese Anzeige beim Immoscout seit Jahren am Leben und versucht mit eher mittelmäßigem Erfolg eine Eventlocation draus zu machen. Andere kleine Kinos müssen ab und an vor dem Aus gerettet werden, wie jüngst die Meisengeige. Die Petition zur erfolgreichen Rettung hatte seiner Zeit eine große Welle verursacht. Eine nicht repräsentative Umfrage in meinem Facebookfreundeskreis, mit ebenfalls sehr reger Beteiligung, ergab, dass nur zwei Leute von zig anderen Kommentatoren innerhalb eines dreiviertel Jahres überhaupt zu Gast in dem altehrwürdigen Kino waren. Die meisten kämpften trotzdem für den Erhalt ohne sonderlich kinoaffin zu sein. Irgendwie ist Kino ein ausgewachsenes Kulturgut geworden, das man nicht untergehen lassen darf. Wie Opernhäuser auch. Filme, auch die guten, schaut man trotzdem woanders. Aber auch an den größeren Kinos geht die Evolution nicht vorbei. Neue Technologien bedrohen das Kinoerlebnis insgesamt. Viele Lichtspielhäuser werden beispielsweise dem Fernsehfunk zum Opfer fallen. Die übrigbleibenden Kinos werden für Spezialaufgaben bereitgestellt, das heißt, sie werden mit der neuesten technischen Ausrüstung versehen und nur Super-Monumental-Filme in ihrem Programm haben. Das konnte man 1958 im Spiegel lesen. Mittlerweile hat sich eine ganze Generation daran gewöhnt, dass 3D-Brillen zum Super-Monumental-Kinogenuss gehören, ohne sich dabei lächerlich vorzukommen.

Das nicht immer alles super-monumental sein muss, zeigt uns ebenfalls seit den 50ern der Rio-Palast in Nürnberg. Zwei Kinosäle und ne Bar. Und den Charme aus vergangenen Jahrzehnten. Viel mehr braucht es nicht für eine Fototour. Einen Film habe ich im Rio Kino bisher nie gesehen. Dafür war ich aber auf der ein oder anderen Veranstaltung dort zu Gast, wie beispielsweise der technologisch weit vorne spielenden MobileFirst! Night. Kein Filmerlebnis, sondern Fachvorträge zur technologischen Entwicklung. Selbige ist nicht immer schlecht. Man muss sie nur richtig nutzen, auch als Kino.


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