Brandenburg ist mir nicht unbekannt, jedenfalls nicht die Ecke rund um Lindow (bei Neuruppin, im nördlichen Umland von Berlin). Es ist schwer zu fassen, aber etliche Sommerurlaube wurden an und in dem See auf Bild oben verbracht, und zwar noch vor der Wende. Das Konzept der DDR habe ich erst in der Zeit nach der Wende so richtig begriffen. Davor war es eigentlich das coolere Deutschland. Es gab die Olsenbande im Fernsehen (und McGyver! Man konnte dort Sat.1 gucken, in meinem Dorf bei Hannover ging das anfangs nicht), lecker Schnitzel, Lagerfeuer und furchtbar tolle Seen die man für sich haben konnte und echt schnafte Kumpelkinder mit denen man so richtig Abenteuer im Wald haben konnte. Nur Micky Maus und Lucky Luke Hefte wurden einem immer bei der Einreise weggenommen, wenn man mit dem Versteck im Auto zu unvorsichtig gewesen ist. Das war doof, aber die Entschädigung folgte immer durch Lagerfeuer und furchtbar tolle Seen.
Es ist immer ein bisschen wie nach Hause kommen, wenn man Jahrzehnte danach diese Ecke besucht. Sie hat sich natürlich verändert. Der typische Kohlegeruch gemischt mit irgendwelchen Lösungsmitteln ist aus den Dörfern und der Umgebung verschwunden. Viele der Häuser von damals stehen noch. Teilweise hübsch und aufwändig saniert, teilweise arg runtergekommen und verfallen. Die Ecke ist immer noch im Umbruch und so manche Dörfer kommen nicht in aus dem Quark. Man sieht die Resultate von Abwanderung und Vergreisung. Diese Ecke Deutschlands wurde auffenbar noch nicht sonderlich vom Massentourismus entdeckt. Es nach wie vor ein Idyll. Vielleicht würde es der Ecke etwas besser gehen, wenn man näher an Berlin wäre. Man fährt ca. eine halbe Stunde zu lange um “mal kurz” hinzugondeln oder um zu pendeln. Es ist mehr ein Tagesausflug. Der kann sich aber lohnen wenn man einfach mal nichts machen will und Ruhe haben möchte. Denn man kann die Seen noch immer recht gut für sich haben.
Fotos sind vom 30. April, mit dem Mobiltelefon aufgenommen und eher aufwandsarm retroisiert.
Ein kleines Update zu der Paris Invasion vom letzten Jahr. Auf der damaligen Ausstellung “Invader 1000″ wurde ein Video gezeigt, und zwar die Doku “In Bed With Invader” über eben jene Space Invaders auf den Straßen von Paris bzw. über den Invader höchstpersönlich bei der Arbeit. Dieses Video ist jetzt im Netz. Sehr schön ist das.
Als ich damals in Hannover noch Nachmittage und Abende verbracht habe ist mir immer dieser eine Typ aufgefallen. Meist in der Innenstadt um den Kröpke herum, manchmal aber auch in der Bahn nach Hause. Ein kleines drahtiges Männchen, auffällig wegen dem unentwegten, übergroßen starken Grinsen Richtung allem und jedem, dem sportlichen Gang, und den riesigen Kopfhörern und der herausquellenden unüberhörbaren Musik. Ich weiß, heute Läuft jeder zweite mit solchen bunten DJ-Kopfhörern rum, die die Portabilität der Wiedergabegeräte ad absurdem führen, aber damals war das nun mal noch nicht so, bzw. wussten wir Altvorderen noch um die Vorteile von Kompaktkopfhörern. Er war auffällig und irgendwie kannte ihn jeder aber niemand wusste wo er herkam, wo er hin wollte, warum er immer da war und warum er tat was er tat.
Jedenfalls scheint jede Stadt und jedes Kiez so seine Spezialisten zu haben, so auch Nürnberg. Und von einem dieser Zeitgenossen ist mir jetzt ein Video, eine kleine Doku zugeflogen. Wenn man sich öfter im K4 oder ähnlichen Dunstkreisen aufhält, wird man Robert schon kennen, manchmal reicht auch ein Schlenderer durch die Altstadt um ihn zu begegnen. Wo er herkommt, wo er hin will, warum er immer da ist und warum er das alles tut was er tut verrät auch diese Doku nicht. Aber wenn man all die Leute in dem Video etwas genauer betrachtet, dann zeichnet das Filmchen ein recht stimmiges Bild der fränkischen Seele.
Aus aktuellem Anlass – denn es ist bald wieder soweit – möchte ich an dieser Stelle kurz das Konzept einer Kneipentour der besonderen Art vorstellen. Vielleicht sogar als Vorbild und Anregung für den einen oder die andere so was auch zu machen. Auch in Nürnberg oder anderswo.
Das ganze wurde in Nürnberg im April 2004 geboren, als Geburtstagsfeier eines (Zufall?) Sozialpädagogen. 44 Leute streiften zu der Zeit bestgelaunt durch die Nürnberger Südstadt auf der Suche nach den “assigsten und abgewracktesten” Kneipen der Gegend. Lokalitäten mit alten verrauchten Gardinen, dunklen Fenstern, den alten Spielautomaten an der Wand, den alten Möbeln, den Holzvertäfelungen und den immer gleichen vom Leben gezeichneten Gesichtern. Arbeiterkneipen, oder Kneipen von Menschen die mal Arbeit hatten. Oder von Menschen, die noch nie Arbeit hatten. Die Regeln wurden vorher festgelegt: rein, jeder “a Bier, an Schnaps, an Schnitt” und dann weiter in die nächste Eckkneipe. Das letzte Abenteuer unserer Zeit. Andere Stadtteile folgten. Stadteile mit einer spürbaren Dichte solcher Kneipen. Also Gegenden wie z.B. St. Leonhard/Schweinau. Am kommenden Samstag ist Wöhrd dran.
Solch eine Kneipentour ist in der Tat eine Erfahrung. Für die Kneipen sowie für die Teilnehmer der Tour. Für die Kneipen ist es der reinste Flashmob. Kommt nicht oft vor, dass einige Dutzend Leute (junge Leute!) solch eine Eckkneipe stürmen und dort was trinken wollen. Verwunderte Gesichter bei Barkeepern und den typischerweise nur eher vereinzelnden meist männlichen Gästen. Zudem werden die Getränke sofort bezahlt, was nicht so komplett selbstverständlich ist in jenen Kneipen mit den Strichlisten hinten an der Bar.
Und dann gibt es Annäherungen. Begegnungen der dritten Art. Biere, Schnäpse und Schnitte erleichtern die Interaktion mit den anderen Gästen und dem Barpersonal. Begegnungen, die sonst wohl so nie stattfinden würden. Wann kann man sich denn schon mal mit Dittsche unterhalten?
Etwas Mut gehört indes dazu, zu solch einer Tour. Es ist nicht für jeden ein unbedingt leichter Schritt die angetraute Gesellschaftsschicht zu verlassen, insbesondere wenn’s nach unten geht, in das “Milieu der Gescheiterten”. Ein regelmäßiges selbsterwirtschaftetes Einkommen ist etwas, was normalerweise Abstand von solchen Kneipen und den Schicksalen in ihnen schafft. Dittsche im Fernsehen gucken ist das eine. Dort ist es eine mit einem Fernsehpreis ausgezeichnete Improvisationskomiksendung. Solche eine Kneipentour und ihre Protagonisten sind real. Und man kann nicht umschalten wenn’s unangenehm wird, denn Reibungen sind nicht ausgeschlossen. Man kann aber dabei gewesen sein, wenn’s lustig war!
Fotos vom Gelände des ehemaligen Quelle Möbelhauses im Bereich Fürther Straße / Adam-Klein-Straße in Nürnberg Gostenhof. Auf dem Areal soll nun der zentrale Softwareentwicklerstandort der DATEV mit ca. 1.800 Büroarbeitsplätzen zuzüglich Software-Testplätzen sowie 850 Pkw-Stellplätzen (Tiefgarage/Parkhaus) errichtet werden.
Technik: Canon EOS 550D 18-135mm f/3.5-5.6. Die Fotos sind teilweise gecropped.
Winfried Baumanns Arbeiten kreisen um Themen wie mobiles Leben, Armut und modernes Nomadentum: Seit 2001 entwickelt er Wohnsysteme für „urbane Nomaden“, bei denen Kunst, Design und sozialer Aktivismus ineinandergreifen. Für die aktuelle Ausstellung entwickelte Baumann eine Installation für die Rückfront des Kunstraums Sterngasse 18 Wohnsystem-elemente, die eine Art urbaner Pueblo-Architektur vorführen.
Installation im Rahmen von 30 KÜNSTLER / 30 RÄUME im Innenhof des Kunstraums Sterngasse in der Hinteren Sterngasse 25-27. Noch bis zum 17.06.2012