14. Oktober 2014

Kino im Wandel – Rio-Palast Nürnberg

Rio Palast Nürnberg 01

Kinos haben es auch nicht mehr so leicht in diesen Tagen. Vor allem die kleinen Kinos lassen gerne mal den letzten Vorhang fallen. Programmkinos können mit den Großen der Branche nicht mithalten, haben kein Geld, um in moderne Technik zu investieren oder können mit ihrem arthousigen Programm bei einem bewegungslos in Mainstream-Sülze eingelegten Publikum wenig reißen. In Nürnbergs gabs mal richtig viele kleine Kinos, einige davon sind großartige Brachen geworden wie beispielsweise das Atrium Kino in der Südstadt oder das Orpheum in Johannis. Letzteres steht schon lange leer, aber irgendwer hält diese Anzeige beim Immoscout seit Jahren am Leben und versucht mit eher mittelmäßigem Erfolg eine Eventlocation draus zu machen. Andere kleine Kinos müssen ab und an vor dem Aus gerettet werden, wie jüngst die Meisengeige. Die Petition zur erfolgreichen Rettung hatte seiner Zeit eine große Welle verursacht. Eine nicht repräsentative Umfrage in meinem Facebookfreundeskreis, mit ebenfalls sehr reger Beteiligung, ergab, dass nur zwei Leute von zig anderen Kommentatoren innerhalb eines dreiviertel Jahres überhaupt zu Gast in dem altehrwürdigen Kino waren. Die meisten kämpften trotzdem für den Erhalt ohne sonderlich kinoaffin zu sein. Irgendwie ist Kino ein ausgewachsenes Kulturgut geworden, das man nicht untergehen lassen darf. Wie Opernhäuser auch. Filme, auch die guten, schaut man trotzdem woanders. Aber auch an den größeren Kinos geht die Evolution nicht vorbei. Neue Technologien bedrohen das Kinoerlebnis insgesamt. Viele Lichtspielhäuser werden beispielsweise dem Fernsehfunk zum Opfer fallen. Die übrigbleibenden Kinos werden für Spezialaufgaben bereitgestellt, das heißt, sie werden mit der neuesten technischen Ausrüstung versehen und nur Super-Monumental-Filme in ihrem Programm haben. Das konnte man 1958 im Spiegel lesen. Mittlerweile hat sich eine ganze Generation daran gewöhnt, dass 3D-Brillen zum Super-Monumental-Kinogenuss gehören, ohne sich dabei lächerlich vorzukommen.

Das nicht immer alles super-monumental sein muss, zeigt uns ebenfalls seit den 50ern der Rio-Palast in Nürnberg. Zwei Kinosäle und ne Bar. Und den Charme aus vergangenen Jahrzehnten. Viel mehr braucht es nicht für eine Fototour. Einen Film habe ich im Rio Kino bisher nie gesehen. Dafür war ich aber auf der ein oder anderen Veranstaltung dort zu Gast, wie beispielsweise der technologisch weit vorne spielenden MobileFirst! Night. Kein Filmerlebnis, sondern Fachvorträge zur technologischen Entwicklung. Selbige ist nicht immer schlecht. Man muss sie nur richtig nutzen, auch als Kino.

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Rio Palast Nürnberg 12

Rio Palast Nürnberg 17

Mehr Fotos aus dem Rio-Palast

Technik: Canon EOS 700D mit Sigma 18-35mm F1.8 bzw. 10-20mm F4-5.6. Die Fotos sind manchmal ganz leicht gecropped, mit RawTherapee entwickelt und farblich ein wenig verdüstert worden.

12. Oktober 2014

Kunst und Freundschaft (WOMÖGLICH) Impressionen

Kunst und Freundschaft (WOMÖGLICH) Impression 03

Es steht noch, das alte Mietshaus im Niemandsland zwischen Nürnberg und Fürth. Es steht leer aber eigentlich auch nicht. Wie bei Schrödingers Katze hängt das ein bisschen vom Beobachter ab. Schaut man zu bestimmten Zeitpunkten genauer hin, dann ist die eher schmucklose Immobilie voll mit Leben. 2012 war das im Herbst bereits so, dieses Jahr ist das Gebäude im Rahmen des temporären Ausstellungsprojekts WOMÖGLICH wieder ein einziges begehbares Gesamtkunstwerk. Die verlassene Räume des ehemaligen Wohngebäudes sind voll mit Objekten, Zeichnungen, Bildern, Skulpturen, Scherenschnitten, Installationen und oftmals auch mit der Vergangenheit des Gebäudes. Manche der ehemaligen Wohnungen zeugen noch immer sehr plastisch und verstörend von der Nutzung als Wohnraum, besonders wenn sie so beängstigend in Szene gesetzt sind wie mit der Installation “der gute Sohn“.

Einige Arbeiten existieren bereits seit dem letzten Jahr, beispielsweise der Schattenraum von Christian Weber. Der Raum des von mir auch sehr geschätzten Projektes KUNST+SICHERHEIT war auch letztes Jahr zu sehen, hat sich aber im Vergleich etwas gewandelt, ohne dabei den Humor zu verlieren. Die meisten anderen Räume sind neu gestaltet worden und mit der Kooperation mit dem Frankfurter Atelier Goldstein ist ein etwas schwermütiger und kantiger Kunstbegriff eingezogen. Vielleicht ist es die verkopfte Frankfurter Schule, die etwas verstaubt ihren Einfluss geltend macht. Sehenswert ist das alles trotzdem, auch und gerade weil dieser Charme und die Autentizitäht der Zwischennutzung klassischen Galerien einfach fehlt.

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Interessante Zeichnungen in einer der Wohnungen. Eine verruchte Facette von Matthias Egersdörfer.

Womöglich mehr Fotos

Ausstellungsdauer: 27. September – 19. Oktober 2014. Es gibt ein Facebook-Event mit mehr Infos und Bildern.

5. Oktober 2014

Weinerei Nürnberg 3.0 – Impressionen der Wiederöffnung

Weinerei Nürnberg Wiedereröffnung 16

Sie ist wieder da. Und der Andrang zur Eröffnungsfeier war überwältigend. Wir hatten schon gehofft, dass ein paar Leute kommen, aber dass gefühlt gleich halb Nürnberg für der Tür stehen würde, war dann doch etwas überraschend. Immerhin haben wir es hier mit dem Kulturwohnzimmer der Gesellschaft zur Förderung von Kunst und Kultur in Europa zu tun, und nicht mit einer Großraumdisco. Selbstkritisch muss man anmerken, dass zuweilen eben jene Assoziation aufkam, die dann aber auch schnell wieder weg war wenn man sich etwas genauer umgeschaut und sich mit den Leuten unterhalten hat. Das Wohnzimmerflair ist trotzdem noch nicht ganz wiederhergestellt, aber die alte Weinerei war auch noch nicht sofort zur Eröffnung fertig, sondern musste – wie ein Paar neue Schuhe – erst mal eingelaufen werden. Das gilt auch für die neuen Räume. Derzeit herrscht noch etwas das Flair einer “repräsentativen Arztpraxis”, aber das wird sich geben. Es wird gebastelt, gewerkelt und gestaltet werden. Die neuen Räume haben noch viel Potential. Auf der anderen Seite ist die Weinerei mit der neuen Location erwachsener geworden und etwas ihren Kinderschuhen entwachsen. Sie wird sich vielleicht wirklich etwas wandeln in der nächsten Zeit.

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“Messias, wir brauchen mehr Messias!” In dem Getose ging die Band unter. “Rosè ist alle!” Rosè ist alle, soso. In diesem Krieg funktionierte man einfach nur noch. Das Ganze nahm kein Ende, brachte man die Ladungen an die Front, schwoll der Ansturm umso mehr an. Eine Kiste nach der andren. Die leeren Flaschen in die leeren Kartons und die Kartons hintenreinschlichten, und schon war man wieder am Kühlschrank zum nachfüllen oder die Theke mußte mit Rotem versorgt werden.. Das mit den zwei Kühlschränken war in kurzer Zeit ein Witz, dieser Krieg verlangte nicht nach kühlem Wein! Irgendwann mußte ich raus, schob mich durch die Massen und sah dann noch die ganzen Leute auf der Empore. Als ich mich durch die Tür nach draussen begab, waren da noch mehr Menschen. Alle redeten aufeinander ein und ich zündete mir einen Zigarillo an. Das ist die geilste Weinerei-Feier aller Zeiten dachte ich mir. Machte die Kippe aus, und drängte mich wieder zurück in die Hauptkampflinie. – Andreas Lehmeyer

Weitere Fotos von der Eröffnungsfeier

Und noch mehr Fotos auf Facebook.

26. September 2014

Hamburg Impressionen #3 – City Nord

Hamburg ist hässlich, das kann aber ganz schön sein.

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Mehr Fotos aus der City Nord

Technik: Canon EOS 700D mit Sigma 18-35mm F1.8. Die Fotos sind manchmal gecropped, mit RawTherapee entwickelt und farblich ein winzig wenig angepasst worden. Aber nicht viel. Das sieht da wirklich so aus.

22. September 2014

Dokumentarfilm über die Quelle in Nürnberg

Sehr tolle und atmosphärische Doku mit großartigen Bildern über das Quelle Versandhaus, seine Geschichte und wie die Vergangenheit derzeit durch die leeren Flächen hallt und gleichzeitig von kleinen frischen Pflänzchen neu gedeutet wird.

Von Robert H. Schumann.

17. September 2014

Die Berlinifizierung in Nürnberg ist im Mainstream angekommen

Nürnberg Berlinifizierung 1

So, deuten wir mal die Zeichen. Es sieht so aus, als wäre die Berlinifizierung Nürnbergs jetzt endgültig kein Phänomen der hipperen Straßencafés in den subkulturell angehauchten und berlineskeren Stadtteilen mehr. Sie ist oben angekommen, beziehungsweise da, wo sich auch Publikum aus den Randbezirken und dem Umland trifft. Den Gegenden also, die jetzt noch weniger Berlin sind, als es Nürnberg schon nicht ist. Und es ging schnell. Das Ganze hat meiner Wahrnehmung nach von den ersten zarten Anzeichen bis zum Aufschlag in der Fußgängerzone so ungefähr 2-3 Jahre gedauert.

Fürs Protokoll: Wöhrl, ein allseits bekanntes Bekleidungsunternehmen mit Hauptsitz in Nürnberg, bewirbt seine Mode großformatig mit der fiktiven Adresse „Potsdamer Platz, Nürnberg“ und dem Hinweis, dass Nürnberg mit Wöhrl zur Modehauptstadt wird. Man geht vermutlich davon aus, dass Berlin Modehauptstadt ist und dass man ihr ganz einfach den Rang ablaufen kann, wenn man den Streetstyle Berlins kopiert. Interessanter Plan!

Nürnberg Berlinifizierung 2

Ein weiteres Schaufenster zeigt eine tendenziell modisch und sehr hipsteresk gekleidete Herrengang in Max-Herre-Gedächtnisposen. Das Foto wurde offenbar in der Abhörstation auf dem Berliner Teufelsberg inszeniert. Kann man machen. Ist eine fantastische Location und transportiert auch ganz wunderbar das raue und unbändige Image der Stadt, dass man ihr nach wie vor nachsagt. Aber das Berlin was da transportiert wird, ist ja selbst in Berlin nur noch ein Schatten seiner selbst. Ganz zu schweigen davon, dass das anvisierte Flair in Nürnberg nicht mal ansatzweise reproduzierbar ist. Aber schön, dass es chic ist, durch mit Graffitis zugemalten Industrieruinen zu laufen. Schade nur, dass die in Nürnberg mittlerweile alle wegsaniert sind. Blöd, wenn man sich die Klamotten gekauft hat. Wann und wo soll man die jetzt anziehen? Zu der in Nürnberg gängigen farblosen Profanarchitektur oder vielleicht noch zu dem gerne vermittelten mittelalterlichen Charme passt davon ja maximal nur die starke Gesichtsbehaarung.

15. September 2014

Die Weinerei Nürnberg wird wiedereröffnet

Ostermayr Passage

Die Weinerei Nürnberg wird im Oktober wiedereröffnet. Und gleichzeitig fällt es ab jetzt schwer, die neue Location geheim zu halten. Beziehungsweise soll sie auch nicht länger geheim bleiben, denn zur Eröffnungsfeier am 03. Oktober beziehungsweise auf der Vernissage am Abend davor darf die Bude natürlich gerne gerammelt voll sein. Notiert euch also gerne schon mal das Datum und kommt alle rum!

Zur Erinnerung. Im Sommer diesen Jahres hat die Weinerei nach 10 Jahren am Prinzregentenufer ihre Räumlichkeiten verlassen. Es gab unlösbare Probleme mit der Nachbarschaft. Am Ende müssen wir den Anwohnern aber dankbar sein, dass sie die Lautstärke nicht ertragen haben, denn die neuen Räume sind die größten und tollsten, die die Weinerei je hatte!

WeinereiPlakat-AufAuf

Randnotiz

Man hätte ob der Schließung der alten Weinerei (oder eines beliebigen anderen Clubs) einen Diskurs (oder Shitstorm) aufmachen können über das so ewige wie elendige Problem mit Lautstärke und Anwohnern. Ob Berlin, Nürnberg, oder Fürth:  Egal wo, sobald sich ein Ort etabliert, der irgendwie was mit Bühne, Kultur und Nachtleben zu tun hat, gibts Probleme. Sofort kommen nervenschwache Nachbarn oder unsensible Investoren und machen alles kaputt. Es ist als Subkulturinstitition nun sehr einfach gegen das Establishment zu wettern, die brennenden Fackeln rauszuholen und gegen das Clubsterben Sturm zu laufen. Die Weinerei hat bewusst kein Fass aufgemacht. Sie hat den Umzug als Chance begriffen, sich dem Wandel gestellt und das Beste draus gemacht. 10 Jahre am alten Ort waren eh viel zu lang. Mit den neuen Räumen wird auch die Weinerei anders werden, aber sie ist eh schon anders geworden über die ganze Zeit, die sie schon existiert. Wir als Team hinter den Kulissen haben uns über die Jahre gewandelt und unsere Ansprüche an einen Ort wie die Weinerei auch. Mal sehen, was noch wird. Sicher ist, dass es unser Kulturwohnzimmer bleiben wird. Egal was noch kommt.

 

8. September 2014

Inoffizielle Hall of Fame unter der A3

Hall of Fame unter der A3 02

Fährt man auf der A3 an Nürnberg vorbei, sieht man von all dem nichts. Unter der Brücke zwischen den Anschlussstellen Nürnberg-Behringersdorf und Nürnberg-Mögeldorf, dort wo die Autobahn auf einer beachtlichen Länge schwebend über die Pegnitz geführt wird, ist eine kleine Hall of Fame entstanden. Sie ist nicht ganz so elaboriert wie andere Graffiti Walls und auch nicht ganz so im Wandel wie beispielsweise die Hall of Fame in Nürnberg/Stein. Sie ist aber eine Abwechslung bei einem Spaziergang durch die Pegnitzauen. Und eine überraschende dazu. Und vielleicht mag sich der ein oder andere mal drum kümmern, dass da etwas mehr passiert. Wäre eine schöne Überraschung!

Hall of Fame unter der A3 01 Hall of Fame unter der A3 11

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Sugar Ray Banister ist ein Blog über Fotografie und Urbanismus aus Nürnberg und dem Rest der Welt.

In den naturgemäß sehr subjektiven Berichten und Fotos treten hier immer die finsteren und echten Ecken der Stadt zu Tage. Dazu gesellen sich Fotoexperimente und auch Reiseberichte, manchmal auch Sachen rund um Technik und Netzkultur. Mehr dazu hier.

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