Ballermann Konträrfaszination

Ballermann Konträrfaszination

Es existiert ein Mythos rund um den Ballermann, der gleichzeitig als Klischee und Stereotyp existiert. Wir assoziieren ein ganz bestimmtes Szenario, das sich dort in ungefähr dieser Form auch immer wieder ereignet. Zum typischen Ambiente gehört die mehr oder weniger laute Beschallung mit einer sehr hässlichen Mischung aus volkstümlichem Schlager, Eurodance und Kirmestechno gepaart mit Grundbedürfnissen wie Alkoholkonsum, Übelkeit, Sex und stinken. Vergleichbare Szenarien kennen wir sonst nur von Volksfesten wie dem Kölner Karneval, dem Münchner Oktoberfest oder ähnlichem.

Dennoch, der Ballermann ist leider weltberühmt und entfaltet auch über seine Zielgruppe hinaus eine gewisse Anziehungskraft. Einen Besuch könnte man mal einplanen, wenn man sich eh in der Nähe befindet. Es wäre jedoch drauf zu achten, unbedingt die Nebensaison zu erwischen. Abseits des Sommers zeigt sich der Ballermann, so wie auch ganz Mallorca, von einer sehr angenehmen und ungeschminkten Seite. Nur vereinzelnd lässt sich erkennen was los wäre, wenn was los wäre. Eigentlich ist der Ballermann einfach trist, leer und austauschbar.

 


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BP-Haus Hamburg City Nord

Ehemaliges BP-Haus in der City Nord

Der graue, mittlerweile mit Graffitis verzierte Betonklotz in der Hamburger City Nord steht schon etwas länger leer. Die Fenster sind zersplittert oder komplett entfernt. Der einstige Hauptsitz der BP-Verwaltung an der Ecke Überseering und Kapstadtring soll teilweise abgerissen und in ein Bürogebäude und Hotel umgewandelt werden. 1971 versuchten Kölner Architeken so gut es ging auf rechte Winkel durch sechseckige Formen zu ersetzen. Das Gebäude bildet die Form des Benzolrings. Das BP-Haus war eines der ersten echten Großraumbüros in Hamburg, die Anfang der 70er-Jahre aufkamen. Mittlerweile läuft der Teilabriss und Umbau der Immobilie. Die unverwechselbarer und unterkühlte Architektur der City Nord dürfte leider, beziehungsweise zum Glück, erhalten bleiben.


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Touristenziel Tschernobyl

Es gibt da einen sehr bekannten Ort der Zeitgeschichte, an dem ein großer Unfall passierte. Ein fast schon mystischer Ort der sich mit Legenden auflädt. Es verirren sich nur wenige Menschen dort hin, trotz der “noch heute messbaren Strahlung” (sic!). – Moment mal, “noch heute messbaren Strahlung”? So heist es bei Tschernobyl Tour, dem Reiseveranstalter für das besondere Erlebnis.

Nur zur Info: der havarierte Reaktorblock ist nach wie vor durch einen provisorischen, durchlässigen sogenannten „Sarkophag“ gedeckelt. Im Inneren ist weitgehend die Situation nach der Explosion in heißer Form konserviert. Es hat sich praktisch nichts seit 1986 geändert, außer, dass mittlerweile an einer neuen und größeren Schutzhülle bebaut wird. Ein großes Millionenprojekt. Die Kosten dafür tragen wir alle, denn auch Deutschland stellt Geld für die neue Schutzhülle zur Verfügung. Man sollte sich insgesamt nochmal in Erinnerung rufen, dass in Tschernobly eine unkontrollierte Kernschmelze stattgefunden hat. Das ist nichts wo man etwas Sand drüber buddelt und Spielen-Verboten-Schilder aufstellt und das ist auch nichts, was innerhalb von 30 Jahren irgendwie an Gefahr oder kritischem Potential verliert.

Ok, zugegeben, der Reaktor ist trotzdem ein reizvoller Ort. Und sicherlich einer, der auf der Liste der Lost-Places-addicted-people recht weit oben steht. Er symbolisiert die Postapokalypse in Reinform. Auch mich juckt es manchmal in den Fingern nicht einfach doch mal ein Ticket zu buchen und Krankheiten wie Krebs einfach mal zu ignorieren. Das Video zeigt sehr schön die Faszination, die von Tschernobyl ausgeht. Allerdings ist die echte Gefahr schlussendlich nicht klar kommuniziert. Manchmal heißt es, es leben seit dem Unfall immer noch Menschen dort. Auch hört man davon, dass der Geigerzähler nicht mehr so dolle ausschlägt, wie noch vor zwanzig Jahren. Bin da skeptisch. Zwar haben die damals freigesetzten Isopope unterschiedliche und teilweise auch sehr kurze Halbwertszeiten, dennoch hat da ne Kernschmelze statt gefunden. Und insgesamt spielen sich Halbwertszeit von spaltbarem Material in Zeiträumen ab, die wir Menschen nicht erfassen oder beherrschen können. (mehr …)

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Alle Jahre wieder: Ein neues Layout fürs Blog

Sugar Ray Banister Layout 2012
So sah dieses Blog die letzten zweieinhalb Jahre aus…

Eine eigene Webseite oder ein eigenes Blog zu haben ist ein mitunter zeitintensives Hobby. Man kann sich zwar diversen Diensten bedienen, die einem die administrative Arbeit abnehmen, aber wer alles selbst machen möchte, der werkelt schon mal einige Nächte an einem Umbau. Jetzt war es bei mir wieder soweit. Die letzte große Renovierung ist fast zweieinhalb Jahre her. Damals hoffte ich noch, dass das Update des Blogs 3-4 Jahre hält. Schon die Kommentare zu dem Beitrag zeigten, dass es damit wohl nichts werden würde. Responsive Design war bereits damals ein Thema, das ich leider etwas unterschätzte habe. Eine Unterstützung mobiler Geräte wurde auf dieser Seite etwas umständlich über eine schon damals bestehende separate mobile Version der Webseite drangebastelt. (mehr …)

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Rio Palast Nürnberg

Kino im Wandel – Rio-Palast Nürnberg

Kinos haben es auch nicht mehr so leicht in diesen Tagen. Vor allem die kleinen Kinos lassen gerne mal den letzten Vorhang fallen. Programmkinos können mit den Großen der Branche nicht mithalten, haben kein Geld, um in moderne Technik zu investieren oder können mit ihrem arthousigen Programm bei einem bewegungslos in Mainstream-Sülze eingelegten Publikum wenig reißen. In Nürnbergs gabs mal richtig viele kleine Kinos, einige davon sind großartige Brachen geworden wie beispielsweise das Atrium Kino in der Südstadt oder das Orpheum in Johannis.

Letzteres steht schon lange leer, aber irgendwer hält diese Anzeige beim Immoscout seit Jahren am Leben und versucht mit eher mittelmäßigem Erfolg eine Eventlocation draus zu machen. Andere kleine Kinos müssen ab und an vor dem Aus gerettet werden, wie jüngst die Meisengeige. Die Petition zur erfolgreichen Rettung hatte seiner Zeit eine große Welle verursacht. Eine nicht repräsentative Umfrage in meinem Facebookfreundeskreis, mit ebenfalls sehr reger Beteiligung, ergab, dass nur zwei Leute von zig anderen Kommentatoren innerhalb eines dreiviertel Jahres überhaupt zu Gast in dem altehrwürdigen Kino waren. Die meisten kämpften trotzdem für den Erhalt ohne sonderlich kinoaffin zu sein. Irgendwie ist Kino ein ausgewachsenes Kulturgut geworden, das man nicht untergehen lassen darf. Wie Opernhäuser auch. Filme, auch die guten, schaut man trotzdem woanders. Aber auch an den größeren Kinos geht die Evolution nicht vorbei. Neue Technologien bedrohen das Kinoerlebnis insgesamt. Viele Lichtspielhäuser werden beispielsweise dem Fernsehfunk zum Opfer fallen. Die übrigbleibenden Kinos werden für Spezialaufgaben bereitgestellt, das heißt, sie werden mit der neuesten technischen Ausrüstung versehen und nur Super-Monumental-Filme in ihrem Programm haben. Das konnte man 1958 im Spiegel lesen. Mittlerweile hat sich eine ganze Generation daran gewöhnt, dass 3D-Brillen zum Super-Monumental-Kinogenuss gehören, ohne sich dabei lächerlich vorzukommen.

Das nicht immer alles super-monumental sein muss, zeigt uns ebenfalls seit den 50ern der Rio-Palast in Nürnberg. Zwei Kinosäle und ne Bar. Und den Charme aus vergangenen Jahrzehnten. Viel mehr braucht es nicht für eine Fototour. Einen Film habe ich im Rio Kino bisher nie gesehen. Dafür war ich aber auf der ein oder anderen Veranstaltung dort zu Gast, wie beispielsweise der technologisch weit vorne spielenden MobileFirst! Night. Kein Filmerlebnis, sondern Fachvorträge zur technologischen Entwicklung. Selbige ist nicht immer schlecht. Man muss sie nur richtig nutzen, auch als Kino.


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Kunst-und-Freundschaft-WOMÖGLICH-Impression-00

Kunst und Freundschaft (WOMÖGLICH) Impressionen

Es steht noch, das alte Mietshaus im Niemandsland zwischen Nürnberg und Fürth. Es steht leer aber eigentlich auch nicht. Wie bei Schrödingers Katze hängt das ein bisschen vom Beobachter ab. Schaut man zu bestimmten Zeitpunkten genauer hin, dann ist die eher schmucklose Immobilie voll mit Leben.

2012 war das im Herbst bereits so, dieses Jahr ist das Gebäude im Rahmen des temporären Ausstellungsprojekts WOMÖGLICH wieder ein einziges begehbares Gesamtkunstwerk. Die verlassenen Räume des ehemaligen Wohngebäudes sind voll mit Objekten, Zeichnungen, Bildern, Skulpturen, Scherenschnitten, Installationen und oftmals auch mit der Vergangenheit des Gebäudes. Manche der ehemaligen Wohnungen zeugen noch immer sehr plastisch und verstörend von der Nutzung als Wohnraum, besonders wenn sie so beängstigend in Szene gesetzt sind wie mit der Installation “der gute Sohn“.

Einige Arbeiten existieren bereits seit dem letzten Jahr, beispielsweise der Schattenraum von Christian Weber. Der Raum des von mir auch sehr geschätzten Projektes KUNST+SICHERHEIT war auch letztes Jahr zu sehen, hat sich aber im Vergleich etwas gewandelt, ohne dabei den Humor zu verlieren. Die meisten anderen Räume sind neu gestaltet worden und mit der Kooperation mit dem Frankfurter Atelier Goldstein ist ein etwas schwermütiger und kantiger Kunstbegriff eingezogen. Vielleicht ist es die verkopfte Frankfurter Schule, die etwas verstaubt ihren Einfluss geltend macht. Sehenswert ist das alles trotzdem, auch und gerade weil dieser Charme und die Authentizität der Zwischennutzung klassischen Galerien einfach fehlt.


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Weinerei-Nürnberg-Wiedereröffnung-00

Weinerei Nürnberg 3.0 – Impressionen der Wiederöffnung

Sie ist wieder da. Und der Andrang zur Eröffnungsfeier war überwältigend. Wir hatten schon gehofft, dass ein paar Leute kommen, aber dass gefühlt gleich halb Nürnberg für der Tür stehen würde, war dann doch etwas überraschend. Immerhin haben wir es hier mit dem Kulturwohnzimmer der Gesellschaft zur Förderung von Kunst und Kultur in Europa zu tun, und nicht mit einer Großraumdisco. Selbstkritisch muss man anmerken, dass zuweilen eben jene Assoziation aufkam, die dann aber auch schnell wieder weg war wenn man sich etwas genauer umgeschaut und sich mit den Leuten unterhalten hat. Das Wohnzimmerflair ist trotzdem noch nicht ganz wiederhergestellt, aber die alte Weinerei war auch noch nicht sofort zur Eröffnung fertig, sondern musste – wie ein Paar neue Schuhe – erst mal eingelaufen werden. Das gilt auch für die neuen Räume. Derzeit herrscht noch etwas das Flair einer “repräsentativen Arztpraxis”, aber das wird sich geben. Es wird gebastelt, gewerkelt und gestaltet werden. Die neuen Räume haben noch viel Potential. Auf der anderen Seite ist die Weinerei mit der neuen Location erwachsener geworden und etwas ihren Kinderschuhen entwachsen. Sie wird sich vielleicht wirklich etwas wandeln in der nächsten Zeit.

“Messias, wir brauchen mehr Messias!” In dem Getose ging die Band unter. “Rosè ist alle!” Rosè ist alle, soso. In diesem Krieg funktionierte man einfach nur noch. Das Ganze nahm kein Ende, brachte man die Ladungen an die Front, schwoll der Ansturm umso mehr an. Eine Kiste nach der andren. Die leeren Flaschen in die leeren Kartons und die Kartons hintenreinschlichten, und schon war man wieder am Kühlschrank zum nachfüllen oder die Theke mußte mit Rotem versorgt werden.. Das mit den zwei Kühlschränken war in kurzer Zeit ein Witz, dieser Krieg verlangte nicht nach kühlem Wein! Irgendwann mußte ich raus, schob mich durch die Massen und sah dann noch die ganzen Leute auf der Empore. Als ich mich durch die Tür nach draussen begab, waren da noch mehr Menschen. Alle redeten aufeinander ein und ich zündete mir einen Zigarillo an. Das ist die geilste Weinerei-Feier aller Zeiten dachte ich mir. Machte die Kippe aus, und drängte mich wieder zurück in die Hauptkampflinie. – Andreas Lehmeyer


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Nürnberg Berlinifizierung 1

Die Berlinifizierung in Nürnberg ist im Mainstream angekommen

So, deuten wir mal die Zeichen. Es sieht so aus, als wäre die Berlinifizierung Nürnbergs jetzt endgültig kein Phänomen der hipperen Straßencafés in den subkulturell angehauchten und berlineskeren Stadtteilen mehr. Sie ist oben angekommen, beziehungsweise da, wo sich auch Publikum aus den Randbezirken und dem Umland trifft. Den Gegenden also, die jetzt noch weniger Berlin sind, als es Nürnberg schon nicht ist. Und es ging schnell. Das Ganze hat meiner Wahrnehmung nach von den ersten zarten Anzeichen bis zum Aufschlag in der Fußgängerzone so ungefähr 2-3 Jahre gedauert.

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Ostermayr-Passage

Die Weinerei Nürnberg wird wiedereröffnet

Die Weinerei Nürnberg wird im Oktober wiedereröffnet. Und gleichzeitig fällt es ab jetzt schwer, die neue Location geheim zu halten. Beziehungsweise soll sie auch nicht länger geheim bleiben, denn zur Eröffnungsfeier am 03. Oktober beziehungsweise auf der Vernissage am Abend davor darf die Bude natürlich gerne gerammelt voll sein. Notiert euch also gerne schon mal das Datum und kommt alle rum! (mehr …)

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Hall-of-Fame-unter-der-A3-00

Inoffizielle Hall of Fame unter der A3

Fährt man auf der A3 an Nürnberg vorbei, sieht man von all dem nichts. Unter der Brücke zwischen den Anschlussstellen Nürnberg-Behringersdorf und Nürnberg-Mögeldorf, dort wo die Autobahn auf einer beachtlichen Länge schwebend über die Pegnitz geführt wird, ist eine kleine Hall of Fame entstanden. Sie ist nicht ganz so elaboriert wie andere Graffiti Walls und auch nicht ganz so im Wandel wie beispielsweise die Hall of Fame in Nürnberg/Stein. Sie ist aber eine Abwechslung bei einem Spaziergang durch die Pegnitzauen. Und eine überraschende dazu. Und vielleicht mag sich der ein oder andere mal drum kümmern, dass da etwas mehr passiert. Wäre eine schöne Überraschung!


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