Einen Monat Steinzeit – Paleo-Ernährung im Selbstversuch

Paleo-Ernährung im Selbstversuch 1

Es ist wirklich nicht so, dass ich jede Diät mitmache. Im Gegenteil. Ernährung war für mich meist auf die Aufrechterhaltung der Lebensfunktionen beschränkt. Natürlich war es mal gut, lecker essen zu gehen, aber im Alltag dominierte der schnelle Döner, der Asiamann mit seinem Wokgemüse oder bei Heißhunger am Abend noch schnell die Burgerbratkette am Straßenrand. Klar, beim Einkaufen wurde schon auf Bio geachtet aber eigentlich lief das mit der Ernährung immer so ein bisschen nebenher. Kochen mit Freunden war ok, aber Rezepte sind mir meist immer dann am besten gelungen, wenn ich sie vor der Zubereitung durch Pizza ersetzt habe. Alles ging also einer durch die (Konsum)-Gesellschaft gegebenen Ordnung nach. Bis der Tag kam, an dem ich von Paleo erfuhr.

Irgendwie muss mein Körper schon vor mir geahnt haben, dass das mit der Ernährung nicht so weiter gehen konnte. Aus einer Mahlzeit ging ich nicht etwa gestärkt hervor, vielmehr verfiel nach dem Mittag gerne mal in das berüchtigte „Suppenkoma“. Morgens brauchte ich manchmal auch recht lange um auf Betriebstemperatur zu kommen. Starker Kaffee brachte irgendwann auch nichts mehr. Das Prinzip hinter Paleo fiel bei mir auf fruchtbaren Boden. Diese Ernährungsform sagt im Prinzip, dass Innovation schneller ist als Evolution. Sprich, der menschliche Körper ist eigentlich nicht für Lebensmittel gemacht, die erst seit einigen tausend Jahren existieren und schon gar nicht für die ganzen industriell verarbeiteten Lebensmittel und die ganzen künstlichen Zusatzstoffe, die es erst seit vielleicht 100 Jahren gibt. Unser Körper hängt noch in der Steinzeit fest, was Nahrungsmittel angeht. Natürlich vertragen wir die ganze neuzeitliche Völlerei, weil wir auch sonst ziemlich robuste Kreaturen sind, aber wieso sollen wir uns das eigentlich alles zumuten? Oder andersrum: bis wir Fertigpizza oder Gummibärchen nahrungsmitteltechnisch so verwerten können wie einen Apfel, dauert es bestimmt noch 400 Generationen. (mehr …)

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14 richtige Momente im Januar 2015

Auf mehrfachen Wunsch hin möchte ich versuchen, meine kleine Rubrik der “richtigen Momente” wieder etwas zu beleben. Zuletzt hatte ich im letzen Sommer “richtige Momente” ins Internet gestellt. Danach passierten zwar auch welche, sogar recht viele, nur fanden sie nicht den Weg ins Blog. Ich möchte das wieder etwas regelmäßiger angehen jetzt. Mir schmeichelt es ja, dass der ein oder die andere diese kleine Rubrik vermisst hat.

Richtiger Moment Januar 2015 01

Richtiger Moment Januar 2015 02

Gleich zwei richtige Momente auf einmal. Kneipen, Bars, Cafes, Restaurants sehen in Krakau so unfassbar viel besser aus als bei uns.

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Du bist der Leerstand in mir (Musical)

Promovideo zum Musical Sweat Shop von der “Geheimagentur”, das am 14. März 2015 in Oberhausen Premiere hat.

Mit Sweat Shop erfinden die geheimagentur, das Theater Oberhausen und der Musiker Knarf Rellöm ein neues Genre: das Lecture Musical – Gesang und Tanz und Theorie. Jede Aufführung wird live aufgenommen, jede Aufführung produziert eine Aufnahme, und das Publikum ist herzlich eingeladen, in die Produktion einzutreten und mitzusingen. Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man singen: Wird die Stadt sich je davon erholen, dass die Industrie per SMS mit ihr Schluss gemacht hat? In den Nebenrollen: die Sozialdemokratie, die Gewerkschaft Metallicare, die Kreativindustrie und die Sweat Shop Boys.

Ich selbst fühle mich bei der Musik in dem Video stark an Innenstadt Illusionen von Die Sterne erinnert, aber das nur am Rande.

Im Sommer letzten Jahres hatte die “geheimagentur” übrigens in Nürnberg die Agentur für Zeitverschendung eröffnet und gleichzeitig geschlossen:

Die Agentur für Zeitverschendung hat am 27. Juni um 22 Uhr ihren zweiwöchigen Testbetrieb beendet und die Hauptfiliale am Aufseßplatz in Nürnberg eröffnet und gleichzeitig geschlossen. Sie folgte damit einer der Thesen über den Betrieb einer Agentur für Zeitverschwendung, die in der Testphase entwickelt worden sind:

„Eine Agentur für Zeitverschwendung sollte in dem Moment, in dem sie betriebsfähig wird, schließen.“

Leider kam die Info über das AFZ-Happening erst nachträglich zu mir und ich habe sie nicht besuchen können, kann sie aber immerhin jetzt in diesem Kontext verbloggen. Ich hoffe, etwas in der Richtung passiert nochmal in Nürnberg!

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Teneriffa Impression

Teneriffa Impressionen

Im Norden von Teneriffa im Herbst. Ein paar versprengte Surfer umkreisen die kontinuierliche Brandung. Es gibt keine Möwen und kaum Verkehr um diese Zeit. Der Lininenbus fährt meistens Luft durch die Gegend. Es ist nicht sehr warm und auch nicht sehr kalt. Es ist sehr wechselhaft und die Insel bekam im Norden so viel Regen ab wie schon lange nicht mehr. Wanderwege waren teilweise zu Sturzbächen geworden und nicht begehbar. Vom trockenen Süden bekamen wir nichts mit. In einer fast 100 Jahre alten Behausung am Hang drückte sich Wasser durch die Ritzen im Steinboden. Die Besitzerin fand keine Erklärung und verwies auf den Klimawandel. So viel Wasser und Regen war der gebürtigen Teneriffianerin bisher nie passiert. Der Süden der Insel ist generell trockener aber auch optisch langweiliger. Als Einheimischer ist man auch lieber im Norden und man mag die üblichen Touristen nicht. Die liegen ja nur im Süden am Strand rum, trinken Bier und bekommen sonst nix mit von der Insel. Als Einheimischer sitzt man lieber im Norden mit offener Tür zur Straße hin vorm Fernseher und krault den Hund. Auch im November, die Temperaturen ließen es zu.

Wir fielen nicht weiter auf trotz Kamera vorm Bauch. Wir waren auch keine Touristen. Wir waren Reisende.

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Verlassenes Hotel auf Teneriffa

Ein verlassenes Hotel auf Teneriffa

Teneriffa im Herbst. Kaum Touristen und überhaupt kaum Menschen bevölkern um diese Zeit die Insel, jedenfalls nicht den Teil im Nordosten. Es ist eher die pure Natur, die um diese Zeit die Insel prägt und den Takt vorgibt.

Unsere Ferienwohnung lag etwas abseits am Rande der kleinen Ortschaft. Drum rum waren Berge, Landwirtschaft und der Ozean mit seiner Brandung. Etwas dorfeinwärts waren dann schon Anzeichen von Tourismusindustrie in Form von Hotels, die aber saisonbedingt eher ungenutzt und noch langweiliger wirkten als sonst. Ein Hotel war dann aber doch interessant. Es steht direkt an einer felsigen Abbruchkante zig Meter über dem Meer. Es musste schon vor Jahren verlassen worden sein. Offenbar droht es einzustürzen. Einige der Bungalows im Vorgarten hat sich die Flut schon genommen und es sieht nicht danach aus, als würde sich der Bau jemals wiederbeleben lassen. Zu dicht hat sich der Ozean schon an den Bettenturm herangegraben.

Was ist aber so spannend daran, verlassene Gebäude zu erkunden? Für mich persönlich macht dies einen ganz besonderen Reiz aus, der über das Erleben üblicher Besucherattraktionen hinausgeht. Die Atmosphäre dieser alten, verlassenen Gebäude ist ganz besonders. Die Vergangenheit, die Vergänglichkeit ist allgegenwärtig. Dabei kommen Fragen auf: Was ist hier passiert? Wieso steht das Objekt leer? Wie und bis wann wurde das Gebäude benutzt? Wird es immer noch für etwas benutzt und wenn ja, durch wen und warum?

Mit diesen Fragen im Kopf durchstöbern wir das Areal, suchen Indizien, gehen den Gedanken nach und versuchen die faszinierende Schönheit des Verfalls in Fotos festzuhalten. Die Fotos sind eine Mischung aus Dokumentation und ästhetischer Fotografie. Zum einen geht es darum, wie Orte wie dieses Hotel in Gänze aussehen, zum anderen sollen die Bilder auch die subjektive Wahrnehmung der Lost Places transportieren. In diesen ungestalteten und manchmal surrealen Szenerien entstehen oft Bilder, die anderswo nicht entstehen könnten.

In diesem Hotel lebte auf alle Fälle noch was. Nicht nur wurde es von diversen Sprühdosenmeistern als Leinwand genutzt, manche der Bungalows und etliche Räume im Hotel selbst waren offenbar Schlaflager. Und es wurde urban gegärtnert wie unter Selbstversorgern. Bei solchen Indizien hat man schon verstärkt das Gefühl, in einen fremden Lebensraum unerwünscht einzudringen. Auch konnten wir uns nicht sicher sein, hinter der nächsten Ecke oder in einem schummrigen Raum nicht doch einen Bewohner anzutreffen. An diesem Tage blieb aber alles ruhig. Und der Urlaub war um eine spannende Entdeckung reicher.

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Plague App – Interessantes virales Netzwerk

Nichts erscheint derzeit schwieriger als ein neues soziales Netzwerk zu etablieren. Wir haben alles, was man braucht und nichts braucht man weniger als ein weiteres Netzwerk um die selben Kontakte, die man schon auf den bestehenden Netzwerken hat, neu zu kontaktieren. Beispielsweise ist das so vielversprechend wie kritisch beäugte Ello ischon wieder in den ewigen sozialen Jagdgründen verschwunden. Obwohl wir uns offenbar alle nach einer Alternative zu Facebook und vielleicht nach dem guten alten Gefühl von Twitter (als es noch jung war) zurück sehnen, so findet sich doch keine echte Alternative.

Nun möchte ich sagen: bis jetzt!

Plague App
Der Screenshot zeigt die Verbreitung meines letzten Blogbeitrages über das Nürnberger Ticketsharing nach knapp drei Tagen in der Plague App.

Auch wenn ich kein Profi für Prognosen in die Zukunft bin, so glaube ich doch mit der Plague App den bisher spannendsten Newcomer in den Händen zu haben. Das Netzwerk macht einiges anders als alle anderen Netzwerke und vor allem eins richtig: es stellt den Content und seine Verbreitung in den Vordergrund. Von wem er kommt ist eher zweitrangig. Es gibt keine Alphanutzer, die mit der größten Reichweite oder dem größten Werbebudget. Bei Plague ist jeder Nutzer von Anfang an mit dem gesamten Netzwerk verbunden und hat die Möglichkeit eine Nachricht innerhalb von sieben Tagen (solange lebt eine Nachricht) theoretisch an alle Nutzer des Netzwerkes zu schicken. Und genau diese Sichtbarkeit innerhalb des gesamten Netzwerkes beziehungsweise die Viralität einer Nachricht ist quasi die einzige relevante Messgröße, die auch schön dargestellt wird.

In der Praxis kennt die App durch GPS den aktuellen Aufenthaltsort eines Nutzers und verteilt eine Nachricht an die paar Nutzer, die dem Sender geografisch am nächsten sind. Wird jene Nachricht bei einem Nutzer angezeigt, hat dieser durch eine simple Wischgeste, ähnlich wie bei Tinder, die Möglichkeit, die Nachricht entweder in seinem Umkreis zu verbreiten, oder es eben nicht zu tun. Hat man eine ausreichend virale Nachricht erstellt (egal ob Text, Bild, Video, Link oder eine Kombination) so schickt man sie auf die Reise und hofft auf eine möglichst große Infektionsrate. Da die ansonsten anonymen User der App immer ihren Aufenthaltsort verraten, kann man in einer Übersicht sehen, wo sich die eigenen Nachrichten, und auch all die anderen, so ausbreiten und wo sie am meisten geteilt werden. In dieser einfachen Verbreitungs-Mechanik liegt eine große Schönheit.

Dennoch, am Anfang sah es so aus, als bestünde das Netzwerk inhaltlich aus den ewig alten Witzbildern die schon seit Jahrzehnten durch das Netz kreisen. Leicht zu konsumieren, aber eigentlich langweilig. Nach einer Weile wurden die Beiträge bei mir aber ernsthafter und inhaltsschwerer. Natürlich mischt sich immer noch leicht konsumierbare Kost darunter. Alles was man innerhalb von Millisekunden begreifen und für gut befinden kann, wird tendenziell leichter geteilt, auch in der Plague App. Mittlerweile sieht es aber so aus, als hätte so Mancher begriffen, dass die Mechanik dieses Netzwerkes zu schade ist für LOL-Cats. Es werden beispielsweise viele politischen Statements und Ansichten aus unterschiedlichen Regionen geteilt und auch Religion und Fanatismus spielen derzeit eine starke Rolle, was auch der aktuellen Nachrichtenlage (Terror in Paris) geschuldet ist. Insgesamt fühlt sich das Netzwerk inhaltlich an wie eine Mischung aus den ungehobelten Inhalten düsterer Tumblr-Blogs gemischt mit den kleinen aber feinen Zirkeln eines frühen Twitters.

Und vielleicht lässt sich Plague auch am ehesten mit Twitter vergleichen. Der Retweet kommt der Mechanik von Plague schlicht am nächsten. Spannend dürfte sein, wie sich das Netzwerk entwickelt. Noch ist man etwas unter sich. Es gibt keine Werbung und naturgemäß auch niemanden, der haufenweise Follower aufbauen möchte. Das ist sympathisch. Wird das Netzwerk aber wachsen, werden früher oder später Marketingabteilungen drauf aufmerksam werden (ich selbst mache darüber ja auch Werbung für meine Inhalte) und spätestens wenn wir nur noch Konsumartikel “wegwischen” müssen, wirds langweilig. Ich hoffe, das kommt nicht so schnell.

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DIY Fahrkarten-Sharing in Nürnberger U-Bahn

Gelebte Share Economy mit dem Karmaticket zum ausdrucken. Alternativ kann man auch noch gültige Parktickets wieder in den Automaten legen.

Via Paul Blotzki.

UPDATE

Nachdem der Zettel und das Bild derzeit massiv die Runde machen und auch in den Mainstreammedien angekommen sind möchte ich was korrigieren. Der Begriff “Share Economy” wurde nach meiner Veröffentlichung auch bei nordbayern.de in diesem Zusammenhang benutzt. Mir entsprang der Begriff im Affekt und habe nicht genau nachgedacht. Genau genommen hat Ticketsharing im öffentlichen Nahverkehr nichts mit Share Economy zu tun. Ein Transportmittel gemeinsam von vielen genutzt ist bereits ein Share Economy Ansatz. Damit diese finanziert werden, werden Kosten auf alle Nutzer umgelegt. Wer sein Ticket an andere weitergibt sorgt nur dafür, dass die Kosten auf weniger Köpfe verteilt werden. Vielleicht sollte man das im Hinterkopf haben.

UPDATE 2

Was wurde eigentlich aus dem Karmaticket? Der Egersdörfer klärt in einem ein bisschen zu langatmigen Interview mit Paul Blotzki die ganze Geschichte auf. Wie es entstanden ist, wie es so massiv die Runde gemacht hat, und wie es dann auch schon wieder verschwunden ist.

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Körperwelten Impressionen

Körperwelten Impressionen

Die Körperwelten gastieren derzeit noch in Nürnberg. Ich kannte Teile der Ausstellung bereits von einem Besuch damals in München. Zur Nürnberger Ausstellung kam ich schon vor der Eröffnung. Ich wurde vom Veranstalter zur Pressekonferenz eingeladen und war auch bei der Presseaktion in der Altstadt mit dabei. Hier wurde eins der Plastinate aufgebaut und konnte von Passanten und der massiv anwesenden Presse dokumentiert werden. Ein Aufreger war das nicht, auch wenn sich das so mancher Medienmacher möglicherweise gerne gewünscht hätte.

Interessant ist die Ausstellung auf jeden Fall. Für meine Fotoauswahl habe ich mich für schwarzweiße Bilder mit starkem Kontrast entschieden. Eine eher seltene Variante. Neben den Körpern und ihren Posen ist ihre Farbe ja auch schon zur Marke geworden. Durch das Fehlen der Farbe reduzieren sich die Körper auf ihre pure Form.


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Mutti bei der Arbeit. Im Jahr 1964.

Mutti bei der Arbeit (1964)

Über Weihnachten wurde dann in all der Besinnlichkeit und Kontemplation mal tief in den Fotoalben der Familie gewühlt. Eine Tätigkeit, die man nicht aus ästhetischen Gründen toll findet, sondern eher aus sentimentalen. Die vielen Fotos sind meist eher mittelmäßige Schnappschüsse aus fast vergessenen Jahrzehnten. Doch dann war da dieses eine Foto aus dem Jahr 1964. Meine Mutter wurde offenbar von einem professionellen Fotografen bei ihrer Arbeit im Postscheckamt in Hannover fotografiert. Im Hintergrund sieht man den den alten Fernsehturm (aka Telemoritz) am Raschplatz.

Ich finds ja immer wieder erstaunlich, dass man auch schon vor einem halben Jahrhundert ohne den ganzen technischen Firlefanz sehr ordentlich und schön fotografieren konnte. Und Mutti (die Dame im Vordergrund) sieht gut aus! :)

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